An Dramatik lässt die Szenerie nichts zu wünschen übrig. Im Schlachtgetümmel sehen sich Alexander, der jugendliche König der Makedonen (im Bild links), und der persische Großkönig Dareios III. (380–330 v. Chr., Mitte rechts) direkt in die Augen. Das Mosaikbild hält den Moment von Alexanders Triumph fest: Dareios wirft noch einen letzten Blick zurück auf den Feind, während er mit dem bereits gewendeten Streitwagen die Flucht ergreift. Der Makedone trägt einen Umhang über dem Brustpanzer, dekoriert mit dem Kopf der Medusa als Symbol der Abschreckung. Die Wunderwaffe seiner Infanteristen waren fünf Meter lange Lanzen, an denen die Angriffsformationen der stark überlegenen Perser immer wieder scheiterten.
Nur: Welche Schlacht dargestellt wird, darüber sind sich Altertumsforscher bis heute uneins. Beide Armeen trafen zweimal aufeinander: Bei Issos (333 v. Chr.) und zwei Jahre später in Gaugamela. Am häufigsten genannt wird Issos, doch spricht auch einiges für Gaugamela: Dort hatte Dareios seine zweite und letzte Niederlage erlitten, bevor er kurz danach starb; der Mosaikkünstler hat ihm das Entsetzen buchstäblich ins Gesicht gestanzt. Als eher unwahrscheinlich gilt die These von einer idealisierten Darstellung des siegreichen makedonischen Feldherrn.
Das Alexandermosaik (5,82 auf 3,13 Meter) dürfte zwischen 150 und 100 v. Chr. nach einer längst verschollenen griechischen Vorlage entstanden sein. Letzter Besitzer war ein reicher Römer aus Pompeji, der damit seine Villa, die Casa del Fauno („Haus des Fauns“), schmückte, bis 79 n. Chr. der Vesuv die Stadt unter seiner Asche begrub. 1831 wurde das Kunstwerk bei Ausgrabungen wiederentdeckt.
Ein besonderes Merkmal des Mosaikbildes sind die Farbschattierungen, die der unbekannte, offensichtlich begnadete Künstler mit eng gesteckten Steinchen, im Fachjargon Tesserae genannt, herstellte. Die feinen Rosatöne, beispielsweise im Gesicht Alexanders, erzielte er mit bis zu sechs Steinchen pro Quadratzentimeter. Nach Schätzungen besteht das Mosaik aus eineinhalb Millionen Tesserae.
Erst in jüngster Zeit haben Experten der Universität Neapel das Mosaikbild, in der Antike eher eine rare Kunst, mit modernen Methoden untersucht. Endoskopische Analysen und Wärmebildaufnahmen enthüllten Hohlräume und strukturelle Bruchstellen, die das Kunstwerk gefährden. Auffallend ist die großflächige, wohl irreparable Schadstelle im Bild links; sie dürfte bereits vor dem Untergang Pompejis bei Transporten entstanden sein und überdeckt die Details des entscheidenden Angriffs Alexanders, mit dem er den Perserkönig endgültig in die Flucht schlägt.





