Sie übernehmen den unmöglichsten Job auf Erden.“ Mit diesen Worten begrüßte UN-Generalsekretär Trygve Lie den zu seinem Nachfolger gewählten schwedischen Politiker Dag Hammarskjöld, als dieser am 9. April 1954 mit dem Flugzeug in New York eintraf. Obwohl er die Nachricht von seiner Wahl zunächst für einen schlechten Aprilscherz gehalten hatte, war Hammarskjöld auf das hohe Amt bestens vorbereitet. Seine Familie gehörte zum ältesten schwedischen Beamten-adel und hatte über Jahrhunderte hinweg zahlreiche Staatsmänner hervorgebracht. Sein Vater Hjalmar Hammarskjöld war unter anderem Justizminister und schließlich schwedischer Minister-präsident gewesen.
Dag Hammarskjöld, 1905 im südschwedischen Jönköping geboren, studierte Rechtswissenschaften, Philosophie und Nationalökonomie. Als Verwaltungsbeamter und Diplomat machte er schnell Karriere: Präsident der schwedischen Arbeitslosenkommission, Staatssekretär im Finanzministerium, Präsident der schwedischen Reichsbank und schließlich Staatssekretär im Außenministerium waren die Stationen vor seiner Wahl zum Generalsekretär der Vereinten Nationen.
In diesem Amt setzte sich Hammarskjöld zwei Schwerpunkte: die Vermittlung bei internationalen Konflikten und die Entkolonialisierung. Letztere veränderte das Gesicht der Vereinten Nationen völlig. Hatte die Organisation 1955 gerade einmal 60 Mitglieder, so verdoppelte sich diese Zahl im Lauf des nächsten Jahrzehnts. Fast alle der Neu-Mitglieder waren Staaten der „Dritten Welt“, die sich häufig erst nach langen Auseinandersetzungen und Unabhängigkeitskriegen hatten von ihrer Kolonialmacht lösen können. Revolutionär war Hammarskjölds Vorschlag, eine eigene UN-Friedenstruppe zur „Sicherung und Überwachung der Einstellung der Feindseligkeiten“ nach dem Suez-Krieg aufzustellen, dem der Sicherheitsrat am 5. November 1956 zustimmte. Nur zehn Tage später trafen die ersten Einheiten der Vereinten Nationen in Ägypten ein. Es war eine diplomatische Meisterleistung Hammarskjölds, die Zustimmung auch der unmittelbar betroffenen Kriegsgegner – Ägyptens, Frankreichs, Großbritanniens und schließlich auch Israels – für diese Operation zu bekommen.
Ohne Gegenstimme wurde Dag Hammarskjöld 1957 in seinem Amt bestätigt. In seiner „Geschichte der Vereinten Nationen“ zieht Helmut Volger eine beeindruckende Bilanz der Arbeit des Schweden: Er habe den Vereinten Nationen „zu neuem Ansehen verholfen, nachdem in der Dauerkonfrontation zwischen den USA und der UdSSR Handlungsfähigkeit und Ansehen der UNO Schaden genommen hatten. Er übte eine internationale Führungsrolle in einer Zeit des Umbruchs des internationalen Systems aus.“ Hammarskjöld habe, so zitiert Volger dessen langjährigen Mitarbeiter Brian Urquhart, „einen tiefen Eindruck auf Millionen Menschen überall auf der Welt“ gemacht.





