Pünktlich zu den Olympischen Winterspielen 2010, die ebenfalls in Vancouver ausgetragen werden, erinnert diese Veranstaltung an kaum bekannte oder längst vergessene Details, von denen einige Mitte der 30er Jahre um die Welt gingen.
Ein Unterfangen, das Hilfe von außen beanspruchte. Mit den beiden renommierten Forschern aus dem Bereich der jüdischen Geschichte, Professor Richard Menkis (University of British Columbia) und Professor Harold Troper (University of Toronto), die über Monate hinweg Akten und Archive nach alten Zeitungsausschnitten durchkämmten, wurden kompetente Partner gefunden, die Erstaunliches zu Tage brachten. Doch, wie verhielt sich das kanadische olympische Komitee (COC) im Bezug auf den Nationalsozialismus?
Im Jahr 1935, nach der Verabschiedung der Nürnberger „Rassengesetze“, wurden vermehrt Protestrufe laut. Jüdische Gruppierungen und Kanadas Linke forderten vehement einen Boykott der Spiele. Daraufhin traf sich das Komitee im November des selben Jahres in Hallifax. Dort wurde nur kurz hinter verschlossenen Türen beraten – und die Teilnahme nach dem Vorbild Großbritanniens beschlossen. Daher waren von diesem Zeitpunkt an die Athleten selbst gefragt. Verschiedene Kampagnen und Protestbewegungen versuchten, sie von ihrem geplanten Antritt abzubringen. Besonders die jüdischen Sportler standen immens unter Druck. So befand sich der damals 20 Jahre alte Boxer Sammy Luftspring gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Gemeinsam mit seinem Kollegen Norman (Baby) Yack entschied er sich schließlich gegen Berlin und schloss sich einer parallel organisierten Veranstaltung, der „People’s Olympiad“, in Barcelona an, die letztendlich allerdings ausfiel. Genauso verhielt sich die Hochspringerin Eva Dawes, die vier Jahre zuvor Bronze für Kanada gewonnen hatte – mit dem Unterschied, dass sie keine Jüdin war und sich damit solidarisch zeigte. Der einzige jüdische Basketballer des kanadischen Teams, Irving (Toots) Meretzky, ließ sich jedoch nicht von seiner Teilnahme abhalten. Zu groß waren zum ersten Mal überhaupt die Hoffnungen auf eine Medaille in seiner Disziplin. Trotzdem besuchte er die jüdische Bevölkerung Berlins und berichtete von deren offensichtlicher Angst. Ein Thema, das ansonsten fast vollkommen ausgeblendet wurde. Dafür hatten die Nationalsozialisten im Vorfeld gesorgt. „Hitler hatte seine Pläne“, erklärt Menkis. „Alles was er unternehmen konnte, um die Beobachtung durch die anderen Staaten zu lockern, geschah zu seinem Vorteil. Es war eine großartige Möglichkeit, sich der Welt gegenüber freundlich und großzügig zu zeigen.“
Der eigentliche Aufenthalt der Kanadier in Berlin sorgte dann trotzdem, besonders durch einen Vorfall, mehr oder weniger ungewollt für Aufruhr. Bis heute auf einem Foto festgehalten ist folgende Szene: Die angetretenen Eiskunstläufer marschieren mit vermeintlich zum Hitlergruß ausgestreckten rechten Armen in die Arena, was frenetischen Jubel unter der deutschen Bevölkerung auslöste. Das kanadische olympische Komitee dementierte damals sofort jegliche Absicht dahinter und gab an, es handle sich bei dieser Geste um den sogenannten olympischen Gruß, bei dem der Arm eher nach rechts und nicht vertikal gehalten werde. Der Vorfall sorgte weltweit für Empörung. Es entbrannte die Diskussion darüber, wie sich die Sportler beim Einmarsch zu den Sommerspielen verhalten sollten. Die Briten entschieden sich gegen die Wiederholung der Szene. Kanada nicht.





