Die herausragendste Entdeckung der Archäologen ist ein prächtiger Mosaikboden in einem eindrucksvollen spätantiken Gebäudekomplex mit säulenumstandenem Hof: Ursprünglich umfasste er weit über 100 Quadratmeter, berichten die Archäologen. „Wegen der Größe und streng durchkomponierten Abfolge filigraner geometrischer Muster zählt das Mosaik zu einem der schönsten Beispiele spätantiker Mosaikkunst in der Region”, sagt Michael Blömer von der Universität Münster. Die genaue Funktion des Gebäudes ist zwar noch unklar, es müsse sich aber wohl um eine reiche Stadtvilla gehandelt haben. „Diese ersten Funde zeigen bereits, welches Potential die Anlage für die weitere Erforschung der Lebensumwelt städtischer Eliten und für Fragen von Ausstattungsluxus im urbanen Raum besitzt”, so Blömer.
Außerdem legte das Forscherteam in Doliche einfache Häuser, Gassen und Wasserleitungen frei, die wichtige Einblicke in den Alltag der Bevölkerung und die Organisation der Stadt geben können. 2016 sollen die Ausgrabungen auf die öffentlichen Bereiche der antiken Stadt ausgedehnt werden. „Durch verschiedene Methoden hoffen wir, ein verlässliches Bild einer nordsyrischen Stadt von der hellenistischen Epoche bis in die Kreuzfahrerzeit sowie ein klareres Bild von materieller Alltagskultur und lokaler Identität in dieser Region zu gewinnen, deren Erforschung im antiken Syrien noch am Anfang steht”, sagt Blömer.
Geplündert und unzugänglich
Berühmte Stätten im heutigen Syrien, die für die Erforschung antiker Stadtkultur eigentlich prädestiniert wären, sind wegen des Kriegs unzugänglich oder zerstört, beklagen die Archäologen: „Besonders schlimm steht es heute um den Ort Apameia, eine der bedeutendsten antiken Städte Syriens”, sagt Engelbert Winter von der Universität Münster. „Raubgrabungen haben das ganz Stadtgebiet zerstört. Satellitenbilder zeigen dies. Ob dort je wieder Forschung möglich ist, bleibt fraglich. Auch die jüngst wieder aufgenommenen Grabungen in Kyrrhos mussten wegen der aktuellen Lage eingestellt werden”, berichtet Winter.
Die einstige Hauptstadt der römischen Provinz Syria – die antike Stadt Antiocheia am Orontes liegt zwar auf türkischem Staatsgebiet eignet sich aber leider kaum für Ausgrabungen: Heute steht auf ihren Überresten die türkische Großstadt Antakya – die antiken Strukturen sind stark überbaut. Somit ist nun Doliche der beste Grabungsort: „Bis auf weiteres können unsere Grabungen in der auf türkischem Staatsgebiet liegenden Stadt Doliche neue Informationen zur städtischen Kultur im antiken nordsyrischen Binnenland erbringen”, sagt Winter. Wie sich nun gezeigt hat, schlummern hier durchaus wundervolle Kunstschätze im Boden.





