Viele Kulturen weltweit haben ihre Toten einbalsamiert, um deren Körper zu konservieren. Die Methoden für die Einbalsamierung unterscheiden sich aber je nach Glauben und kulturellem Kontext erheblich. Die Ägypter nutzten beispielsweise Salze, um den Körper zu trocknen, sowie duftende und antimikrobiell wirkende Essenzen und Öle. Die Bewohner der Anden hingegen trockneten die Körper ihrer Toten mit Feuer und heißer Asche und füllten sie mit Lehm, Wolle, Stroh und Asche. Über Mumifizierungstechniken aus Europa ist hingegen weniger bekannt.

Obduktion einer 300 Jahre alten Mumie aus Österreich
Ein Team um Andreas Nerlich von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat nun eine rund 300 Jahre alte Mumie näher untersucht, die in einem kleinen Dorf in Österreich aufbewahrt wurde und ungewöhnlich gut erhalten ist. Zwar sind die Arme und Beine sowie der Kopf nach dem Tod teils verfallen, doch der Oberkörper der Mumie ist vollständig intakt. Seit 1967 wurde sie mehrfach wissenschaftlich untersucht, jedoch nur unvollständig. Bislang war daher unklar, wer der Tote war, wann er gestorben ist und wie er mumifiziert wurde. Um das herauszufinden, führten die Pathologen nun umfangreiche Analysen durch, darunter CT-Scans, eine Autopsie des Körperinneren, toxikologische Tests, Isotopen-Analysen und Radiokarbondatierungen.
Diese Analysen ermöglichten erstmals eine Identifizierung des Toten: „Die ungewöhnlich gut erhaltene Mumie in der Kirchengruft von St. Thomas am Blasenstein ist der Leichnam des 1746 verstorbenen Pfarrvikars Franz Xaver Sidler von Rosenegg“, bestätigt Nerlich die langjährigen Vermutungen. Den Tests zufolge starb der Geistliche höchstwahrscheinlich im Alter von 35 bis 45 Jahren, zwischen 1734 und 1780. Er war ein gut genährter Mann, der Getreide und Tiere aus der heimischen Region aß. Gegen Ende seines Lebens könnte er gehungert haben, wahrscheinlich während des Österreichischen Erbfolgekriegs. Sein Skelett weist keine größeren Anzeichen von Belastung auf. Zudem war der Tote langjähriger Pfeifenraucher und hatte gegen Ende seines Lebens eine Lungentuberkulose entwickelt, an der er auch gestorben sein könnte. All diese Daten passen zu Sidler und zum klösterlichen Leben eines aristokratischen Priesters ohne harte körperliche Aktivität, wie die Forschenden berichten.






