Im 16. Jahrhundert erwarb Christoph Plantin für seine Druckerei ‚frühe‘ Handschriften mit biblischen und klassischen Texten. Einige davon dienten vermutlich als Grundlage für die entsprechenden ersten Druckausgaben. Farbenreiche Initialen und subtile Randverzierungen erhöhten die optische Attraktivität dieser frühen Handschriften auf Pergament.
Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Sammlung um prachtvoll illuminierte Pariser Bibeln, Mess- und Stundenbücher erweitert. Die von Plantin erworbenen, mit Miniaturen verzierten Handschriften stammten aus allen Gegenden Europas. Die Sammlung von Balthasar II Moretus schließlich, einem seiner Nachfolger, wurde zu einer wahren bibliophilen Schatzkammer.
Die letzte Generation der Familie Moretus, die den Betrieb führte, baute die Sammlung weiter aus, denn ab dem späten 18. Jahrhundert galten illuminierte Handschriften als exquisite Produkte einer fernen, fremden und „exotischen“ Epoche. Die Höhepunkte dieser Sammlung sind die zweiteilige böhmische Wenzelsbibel, die „Chroniken von Froissard“ und mehrere außergewöhnliche Stundenbücher aus den Nördlichen und Südlichen Niederlanden.
Die Ausstellung im Museum Plantin-Moretus beleuchtet auch einen weniger bekannten Aspekt der Sammlungshistorie. In der Welt des gedruckten Buchs erhielten viele mittelalterliche Handschriften eine neue Bestimmung. Einige der Pergament-Folios wurden „wiederverwertet“ und begannen ein neues Leben als Schutz- oder Buchumschlag.
Seit kurzem stehen die schönsten Exemplare der Sammlung Handschriften im Internet. Die älteste Handschrift aus dem Museumsbesitzt, die Carmen Paschale von Sedulius aus dem 9. Jh., sowie mehrere Stundenbücher aus dem 15. Jh., die mit prachtvollen Miniaturen und Randverzierungen geschmückt sind, können vom ersten bis zum letzten Folio durchblättert werden. Ein Höhepunkt ist die zweiteilige Wenzelsbibel (1402-1403) mit ihren 210 Miniaturen. Auch diese Bibel kann bereits digital eingesehen werden.
Das Museum Plantin-Moretus (Vrijdagmarkt 22, 2000 Antwerpen, Belgien, Tel.: +32/3-221-1450) ist einzigartig. Es ist das Wohngebäude mit Verlag und Druckerei der Familie Plantin-Moretus. In dem historischen Wohngebäude befindet sich die umfangreiche Kunstsammlung, darunter Gemälde von dem Freund des Hauses Peter Paul Rubens. Sowohl das Wohngebäude als auch die Druckerei wurden in die renommierte Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.





