Ob die Epen von Homer oder kunstvolle Artefakte aus antiken Grabstätten: Den Beginn der griechischen Antike präzise zu datieren, ist weniger leicht als man denken würde – und dies aus mehreren Gründen. Zum einen gibt es aus der Ägäis und dem griechischen Festland kaum gut erhaltene ungestörte Fundschichten. Dies erschwert es, Artefakte anhand der Schichtung einem Alter zuzuordnen. Hilfe kann eine Datierung mittels Radiokarbonmethode (C-14) geben. Doch sie erfordert immer eine Eichung anhand von Fundstücken oder Schichten bekannten Alters – ähnlich wie die Jahresringe im Holz eines alten Holzstücks erst durch Vergleich der Jahresringmuster zeitlich eingeordnet werden kann.
Kalibrierung gesucht
Bei der Radiokarbonmethode wird ebenfalls ein solcher Abgleich nötig, weil der atmosphärische Gehalt des Kohlenstoffisotops im Laufe der Zeit schwankt und zu verschiedenen Zeiten sehr ähnliche Werte angenommen hat. Ein einzelner C-14-Wert lässt sich daher nicht ohne weiteres präzise einordnen. „So hat man in der Archäologie regelmäßig zwar viele sehr präzise C14-Messungen zur Hand, die aber nach Korrektur der Schwankungen des atmosphärischen C14-Gehalts leider allesamt nur eine oft lange Liste von möglichen Datierungen bieten, typischerweise mit einer Streuung im Rahmen von 100 bis 300 Jahren“, erklärt Stefanos Gimatzidis von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Doch nun könnten Gimatzidis und Bernhard Weninger von der Universität Köln dieses Dilemma gelöst haben. Denn sie haben einen Fundort identifiziert, der sich für die Eichung der Radiokarbondaten der griechischen Antike eignet. Es handelt sich um den Ort Sindos, einen Siedlungshügel rund 20 Kilometer westlich der heutigen Stadt Thessaloniki. Ausgrabungen haben dort archäologische Fundstücke und viele Tierknochen zutage gefördert, die die Rekonstruktion der Siedlungsschichten bis in die frühe Eisenzeit erlauben.
Als entscheidend erwies sich dabei die Kombination von vielen Keramikfunden und ihren für die verschiedenen Epochen typischen Mustern und Formen mit organischen Relikten wie Tierknochen, die eine dicht gestaffelte C-14-Datierung ermöglichten. Durch die Kombination von Radiokarbondaten und Keramik konnten die Forscher Datierungsfehler wesentlich verkleinern. „So ergänzen sich die Vorteile der Methode in diesem Fall zugunsten einer für diese Periode bislang unerreichten Datierungspräzision“, sagt Gimatzidis.
Wurzeln der griechischen Antike 50 bis 150 Jahre älter?
Die Auswertung ergab: “Das erste bedeutende Ergebnis der neuen Chronologie betrifft unser Verständnis der späten Geometrischen Periode 1, die als transformative Phase nicht nur für Griechenland, sondern für den gesamten Mittelmeerraum gilt”, erklären die Wissenschaftler. Diese Phase war von einer Intensivierung der Kontakte zwischen der Ägäis und der Levante geprägt und von der beginnenden “kolonialen” Expansion der Griechen nach Westen. “All diese Ereignisse sollten nach bisheriger Lesart im Laufe nur einer Generation von 760 bis 735 vor Christus erfolgt sein”, so Gimatzidis und Weninger.





