In seinem berühmten Drama „Mutter Courage und ihre Kinder“ beschreibt Bertolt Brecht den Alltag einer Frau, die, vom blanken Überlebenswillen getrieben, im Gefolge marodierender Söldner die Wirren des Dreißigjährigen Krieges durchlebt. Daß die Figur der „Courage“ kein reines Phantasieprodukt ist, ergibt sich schon aus der Tatsache, daß dem Brecht-Stück eine Erzählung aus der Feder Grimmelshausens als Vorlage diente, der die Schrecken des nämlichen Krieges als Troßknecht und Offiziersadjutant am eigenen Leib erfahren hatte und sich in seinen Dichtungen – wie etwa im „Simplicissimus“ – an seinen Erinnerungen orientierte. Der Dreißigjährige Krieg brachte viele „Mütter Courage“ hervor, er war nicht nur ein Krieg der Männer. Frauen spielten eine wesentliche Rolle darin – zumeist, wie in allen Kriegen, als Opfer männlicher Gewalt und Grausamkeit, zum Teil aber auch in Gesellschaft der umherziehenden Söldner.
Die massenhafte aktive Einbindung von Frauen in den Kriegsalltag war indes kein Novum des „Teutschen Kriegs“, der von 1618 bis 1648 weite Landstriche Mitteleuropas verwüstete. Bereits mit dem Aufkommen des Landsknechtswesens an der Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert bildeten Frauen (und Kinder) einen festen Bestandteil deutscher Söldnerheere. Genau wie die Landsknechte selbst folgten sie, von Armut und nackter Not getrieben, ihren zumeist aus den ländlichen Gebieten Süddeutschlands stammenden Ehemännern, Lebenspartnern, Liebhabern und Schicksalsgenossen auf die zahlreichen Schlachtfelder Europas.
Daß dieses Phänomen im wesent?lichen auf Deutschland und die Schweiz begrenzt war, zeigt sich in den detaillierten Darstellungen venezianischer Gesandter, die im Dienst des Dogen das Heilige Römische Reich bereisten und den „Troß der Frauen“ in ihren Abschlußberichten als „Merkwürdigkeit“ verzeichneten. So hält etwa der Botschafter Vincenzo Querini 1507 (im ersten erhaltenen venezianischen Abschlußbericht aus Deutschland überhaupt) zu den Eigenarten deutscher Söldnerheere fest, daß jedes der aus etwa 400 Infanteristen bestehenden Fähnlein „zum Transport der Vorräte und aller Weiber“ rund acht Wagen mit sich führe. Die besagten „Weiber“ (femine) beschreibt der adlige Gesandte wie folgt: „Einige sind ruchlos, andere sind die Ehefrauen irgendwelcher Infanteristen und begleiten ihre Männer, um mit ihren Diensten Geld zu verdienen.“ Zu diesen Diensten zählten, neben der Prostitution der besagten ruchlosen Frauen, das Kochen, Zeugflicken, Waschen usw.
Noch ausführlicher widmete sich rund 40 Jahre später der Gesandte Alvise Mocenigo in seinem Bericht den Frauen im Gefolge der Landsknechte. Anhand persönlicher Erfahrungen aus dem Feldzug Karls V. gegen Franz I. von Frankreich und dem Schmalkaldischen Krieg schreibt er 1548: „Fast alle deutschen Infanteristen führen ein Weib mit sich, entweder die Ehefrau oder eine Dirne, so daß man, sobald die deutsche Infanterie losmarschiert, ein weiteres Heer von Frauen von den Sammelplätzen aufbrechen sieht.“ …





