Die Spuren im Untergrund hätten leicht dem Pflug zum Opfer fallen können: In einem landwirtschaftlich genutzten Bereich nahe Erwitte-Eikeloh im Kreis Soest waren einem Ortskundigen ungewöhnliche Kalksteine aufgefallen. Er verständigte daraufhin den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der schließlich ein Untersuchungsteam schickte. Erstaunt stellten die Experten fest, dass es sich um umfangreichere Fundamentreste handelt. Offenbar stand an diesem entlegen wirkenden Platz in der Nähe eines Bac

hes einst ein größeres Gebäude. Aus diesem geheimnisvollen Erstbefund entwickelte sich dann ein archäologisches Projekt. Wie das LWL berichtet, habe die Ausgrabungen der letzten beiden Jahre nun ergeben: Wo heute Mais angebaut wird, stand im frühen Mittelalter eine überraschend eindrucksvolle Kirche.
Bisher keine historische Spur
Das steinerne Gebäude war 30 Meter lang und etwa zehn Meter breit. Aus Funden von frühmittelalterlichen Keramiken und aus den Ergebnissen von 14C-Datierungen von Beifunden ging hervor, dass der Sakralbau etwa um 900 n. Chr. errichtet worden war. Offenbar standen am Fundort auch schon zuvor andere Gebäude: “Wir konnten nachweisen, dass die Kirche nach dem Abbruch einer wesentlich älteren Hofstelle hier neu errichtet wurde”, berichtet Grabungsleiterin Eva Cichy vom LWL. “Wir haben zudem Baugruben von Pfostenbauten um die Kirche und unterhalb der Fundamente entdeckt, die auf eine Besiedlung an diesem Ort schon seit der Römischen Kaiserzeit verweisen”, berichtet die Archäologin.
Zu dem Ort und vor allem dem Kirchenbau sollte es doch bestimmt historische Quellen geben, könnte man meinen. Doch bisher ergaben die Recherchen erstaunlich wenig: Die frühesten Berichte, die sich auf eine Siedlung in dem Bereich beziehen könnten, stammen erst aus dem 11. Jahrhundert. Sie erwähnen aber keine Kirche. War sie zu dieser Zeit vielleicht schon wieder verschwunden? Fertiggestellt wurde sie offenbar – davon zeugen Reste von Putz und die Spuren eines etwas später hinzugefügten Anbaus im Süden, die das Grabungsteam entdeckte. Vermutlich wurde die Kirche aber wohl schon im 11. Jahrhundert wieder abgetragen, sagen die Experten. Warum, bleibt bisher rätselhaft.
Für Westfalen einzigartiger Grundriss
Wie das LWL weiter berichtet, besitzt der Fund noch einen weiteren interessanten Aspekt: Üblicherweise wurden neue Kirchen auf ihren Vorgängerbauten errichtet. Deshalb sind die älteren Grundrisse häufig weitgehend zerstört oder bei Grabungen nur ausschnittweise fassbar. Der aktuelle Fund zeigt nun hingegen etwas ursprünglich Frühmittelalterliches. Wie sich dabei zeigte, besaß der Grundriss der Kirche auch tatsächlich eine spezielle Struktur.





