Drei Jahre dauerten die Vorbereitungen für „Mythos Burg“. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Burg bereits im Mittelalter sinnbildlich verwendet wurde –von der Gralburg über die Minneburg bis hin zu Luthers „Ein feste Burg ist unser Gott“ – führt die Nürnberger Ausstellung die Kulturgeschichte der Burg vom Mittelalter bis in die Gegenwart vor Augen.
Die Betonung liegt dabei nicht nur auf der realen Burg, die über originale Bauteile, neu entwickelte Burgenmodelle und archäologische Funde fassbar wird. Es geht vor allem um den Mythos, der sich in literarischen Quellen, etwa dem Parzival, kostbaren Handschriften wie dem Sachsenspiegel sowie Gemälden und kunsthandwerklichen Objekten manifestiert. Eng mit der Burg verknüpft ist der „Mythos Ritter“, exemplarisch vorgestellt durch Götz von Berlichingen und Kaiser Maximilian I., die sich selbst als ideale Ritter stilisiert haben. Der Mythos des Rittertums dokumentiert sich auch in der Nachbildung der sagenhaften Tafelrunde von König Artus.
Spielte die Burg bereits in der mittelalterlichen Festkultur eine Rolle, so präsentiert die Ausstellung erstmals auch deren Weiterentwicklung in der Renaissance- und Barockzeit mit Feuerwerksburgen und Ritterfesten. Darüber hinaus zeigt sich, dass Burgen als verteidigungsfähige Wohnsitze bis lange nach dem Dreißigjährigen Krieg in Nutzung blieben.
Die Mittelalterbegeisterung des 19. Jahrhunderts führte zur Errichtung von künstlichen Ruinen, zur Entdeckung der Rheinburgen sowie dem Ausbau von Burgen für Herrscher und Industriemagnaten. Sie gipfelte in den Märchenschlössern Ludwigs II. Die anhaltende Bedeutung zeigt der Umbau vieler Burgen im „Dritten Reich“, aber auch die Märchenburgen von Walt Disney bis hin zu Harry Potters vieltürmigem Hogwarts. Spielwaren machen die anhaltende Aktualität des Themas Burg und Ritter deutlich. Die Besucher der Ausstellung werden deshalb von den beiden Playmobil-Burgen aus dem neuen Sortiment begrüßt. Vom Mythos der Burg kündet auch die Werbebotschaft eines Sponsors der Ausstellung, der Nürnberger Versicherungsgruppe, die „Schutz und Sicherheit im Zeichen der Burg“ verspricht.
Eine dreibändige Publikation fasst die Forschungserkenntnisse aus diesem gattungsübergreifenden Burgenprojekt zusammen. Das im Sandstein-Verlag erschienene Gesamtpaket beinhaltet die Ausstellungskataloge in Nürnberg und Berlin sowie einen Band mit den Beiträgen einer Tagung zum Thema „Die Burg“. Die Ausstellungen in Nürnberg und Berlin begleitet auch das Geschichtsmagazin DAMALS mit einem Schwerpunktheft, das kürzlich erschienen ist.
Die bis zum 7. November geöffnete Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Führungen, Vortrags- und Filmveranstaltungen.





