Die Nationalsozialisten sahen in den Externsteinen eine bedeutende germanische Kultstätte und inszenierten hier aufwendige Propagandaveranstaltungen und Sonnenwendfeiern. Ausgangspunkt für diesen Kult war ein Detail auf dem mittelalterlichen Kreuzabnahmerelief – eines der bedeutendsten Werke der Romanik in Europa. Auf dem Relief steht Nikodemus, der Christus vom Kreuz abnimmt, auf einem ungewöhnlichen Gebilde, vermutlich einer umgeknickten Palme. Der völkische Laienforscher Wilhelm Teudt sah in den 1920er Jahren darin die zerstörte Irminsul – jenes vorchristliche sächsische Baumheiligtum, das der Überlieferung nach Karl der Große 772 im Kampf gegen die Sachsen zerstört hat. Das fehlgedeutete Bildmotiv diente Teudt als Argument dafür, den ursprünglichen Standort der sächsischen Irminsul an den Externsteinen zu lokalisieren. Kein geringerer als Karl selbst soll nach Teudt den Felskopf gesprengt, die bedeutende germanische Kultstätte entweiht und anschließend christianisiert haben.
Der Archäologe Julius Andree, der im Auftrag der SS-nahen Externsteine-Stiftung 1934/35 Ausgrabungen an den Externsteinen durchführte, lieferte methodisch nicht haltbare, willkürliche Befundinterpretationen im Sinne der Theorien Teudts. Dabei versuchte er sogar das „Standloch der Irminsul“ nachzuweisen. „Teudts Anliegen war der Nachweis einer germanischen Hochkultur, als deren Zentrum er die Externsteine betrachtete. Seine Theorien wurzelten ganz in seiner völkischen Weltanschauung und er stilisierte sich selbst zum genialischen, der Fachwissenschaft weit überlegenen Querdenker. Von esoterischen Externsteineforschern wird er bis heute als Visionär gefeiert“, erklärt Roland Linde, der als Historiker und Externsteinexperte maßgeblich an der Konzeption der Ausstellungssektion in der Städtischen Galerie beteiligt war. „Trotz der auch aus Sicht vieler damaliger Wissenschaftler nicht haltbaren Deutungen wurden die Externsteine ab 1935 vom SS-,Ahnenerbe‘ der Öffentlichkeit als germanische Kultstätte präsentiert. Völkische Laienforschung und ideologisierte Wissenschaft waren hier eine unselige Verbindung eingegangen“, so Linde weiter.
„CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ wird vom 26. Juli bis 3. November 2013 im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn, im Museum in der Kaiserpfalz und in der Städtischen Galerie am Abdinghof zu sehen sein. Die Ausstellung wird gemeinsam von der Stadt Paderborn, dem Erzbistum Paderborn und dem LWL realisiert und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Joachim Gauck. Das Geschichtsmagazin DAMALS ist Kooperationspartner der Ausstellung.





