Ein Freigelassener wurde misstrauisch, denunzierte seinen in die Verschwörung verwickelten Herrn, und das Komplott flog im letzten Moment auf. Im Zuge der Ermittlungen dürften unter Folterandrohungen auch Unbeteiligte beschuldigt und hingerichtet oder in den Tod getrieben worden sein, so wie der Philosoph Seneca. Es wird Nero sehr recht gewesen sein, sich auf diese Weise seines ehemaligen Lehrers und jetzigen Kritikers entledigen zu können. Auch den Tod von Senecas Neffen Lucan bedauerte der Kaiser wohl kaum. Der vielleicht bedeutendste Schriftsteller seiner Zeit war für Nero, der bekanntermaßen eigene künstlerische Ambitionen hegte, ein missliebiger Konkurrent. Piso sah allem tatenlos zu und tötete sich schließlich selbst. In den Augen des Historikers Tacitus erwies er sich damit als völlig ungeeigneter Thronprätendent, der sein Schicksal verdient hatte. Rund 20 Aristokraten starben, weitere wurden verbannt.
Trotz des harten Durchgreifens des Despoten sollte es nur wenige Jahre dauern, bis es wieder zu echtem Widerstand gegen Nero kam – dann aber mit mehr Erfolg.





