Als der kupferzeitliche, 46 Jahre alte „Mann aus dem Eis“ seine letzte Wanderung antrat, trug er mokassin‧artige Lederschuhe mit einem Netzgeflecht von Bastschnüren, in das zur Isolation Heu gestopft wurde. Seine Beine waren von ledernen Leggins bedeckt, darüber trug er einen Schurz aus Ziegenleder, ein langes Fellkleid und einen Umhang aus einem Grasgeflecht. Den Kopf bedeckte eine Kappe aus Bärenfell.
Bei der Gletschermumie fand sich ein über 1,8 Meter langer, unfertiger Bogen aus Eibenholz. In einem Köcher befanden sich zwei schussfertige befiederte, aber beschädigte und zwölf nicht schussbereite Pfeile, dazu Pfeilspitzen aus Hirschgeweih. Ein wertvolles Beil mit einer Kupferklinge, ein Feuersteindolch in einer Bastscheide, eine Gürteltasche mit Werkzeugen, unter anderem einer Klinge und einem Bohrer aus Silex (Feuerstein) und einem Zunderschwamm zum Feuermachen, gehörten zur Ausrüstung des Mannes, der zudem auf dem Rücken ein Tragegestell trug, darin zwei Gefäße aus Birkenrinde und Proviant, außerdem getrocknete Pilze als Medizin. All dies zeigt, dass sich der „Mann aus dem Eis“, der seiner Ausrüstung nach sozial eher hochgestellt war, auf einer längeren Tour befand, ob auf dem Kriegspfad, zur Suche nach Rohstoffen oder zur Jagd, ist unklar.
Was aber geschah vor 5300 Jahren in den Ötztaler Alpen? Die Untersuchungen ergaben, dass Ötzi einem Mord zum Opfer gefallen ist. Zunächst hielt er sich im Schnalstal auf etwa 2 000 Metern Höhe auf. Den Aufenthalt des Mannes an der Waldgrenze rekonstruierten Botaniker aufgrund seines Mageninhalts, in dem sich auch Lärchen- und Kiefernpollen fanden. Wohl durch einen kriegerischen Angriff verlor Ötzi Pfeil und Bogen. Während er noch damit beschäftigt war, sich Ersatzbogen und Pfeile zu schnitzen, wurde er (den Blutpigmenten zufolge) 24 Stunden vor seinem Tod angegriffen und mit einer scharfen Klinge an der Hand verletzt. Ötzi floh bis in 3120 Meter Höhe: auf das Tisenjoch. Hier entkam er seinen Feinden nicht mehr: Ein Pfeil bohrte sich in seine linke Schulter, danach wurde er mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen.
Über die Tatmotive wird noch spekuliert. Raub? Aber die wertvolle Ausrüstung wurde nicht gestohlen. Machtkämpfe innerhalb eines Klans? Aber dann wäre der Tote wohl trotzdem bestattet worden. Manche Fragen müssen offenbleiben. Im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen (http://www.archaeologiemuseum.it) können die Besucher die spektakuläre Mumie und eine Rekonstruktion ihrer Lebenswelt anschauen. Eine Ausstellung im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim (http://www.deutschordensmuseum.de) widmet sich noch bis zum 19. September ebenfalls diesem Thema.





