Große Steinkreise und Kreisgrabenanlagen entstanden während der Jungsteinzeit nicht nur in Frankreich oder Großbritannien – auch in Deutschland wurden mehrere große Ring-Heiligtümer aus der Zeit vor Tausenden von Jahren entdeckt. Eine davon ist die Kreisgrabenanlage von Pömmelte in Sachsen-Anhalt. Sie hat einen Durchmesser von 115 Metern und bestand aus mehreren Ringgräben und hölzernen Pfostenkreisen. Im inneren Kreisgraben haben Archäologen mehrere Schachtgruben entdeckt, in denen Keramikgefäße, Tierknochen und auch menschliche Gebeine gefunden wurden. Diese Objekte wurden offenbar einst im Rahmen von Ritualen in den Gruben deponiert.
Megasiedlung schon in der Jungsteinzeit
Datierungen zufolge reichen die Anfänge der Kreisgrabenanlage von Pömmelte bis in die Zeit der jungsteinzeitlichen Schnurbandkeramik-Kultur vor rund 4800 Jahren zurück. Die Anlage wurde danach aber auch noch jahrhundertlang von der nachfolgenden Glockenbecherkultur und der Aunjetitzer Kultur der frühen Bronzezeit genutzt. In früheren Ausgrabungen hatten Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt bereits im Umfeld des Ringheiligtums erste Siedlungsspuren der einstigen Bewohner dieser Gegend entdeckt, darunter Reste einer frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Megasiedlung mit mehr als 100 Hausgrundrissen.
Bei den Ausgrabungen in diesem Jahr stand die Suche nach älteren Siedlungspuren der Glockenbecherkultur im Nordosten und Nordwesten des Ringheiligtums im Vordergrund. Dabei wurden die Forschenden tatsächlich fündig: Sie identifizierten die Relikte von insgesamt zwölf Gebäuden, die sich auf rund 39.000 Quadratmeter in unmittelbarer Nähe des Heiligtums verteilen. Diese Häuser wurden Datierungen zufolge im 24. Jahrhundert vor Christus erbaut. Nach Angaben des Landesamts ist damit auch diese Siedlung aus der Glockenbecherzeit die bisher größte ihrer Art in Mitteldeutschland.

Getreidesilos der Schnurbandkeramiker
Noch nicht eindeutig identifiziert werden konnten dagegen die Hausstandorte der noch älteren Schurbandkeramik-Kultur. Bisher konnte ihr Siedlungsort nur über verlagerte einzelne Scherben räumlich näher eingegrenzt werden. In jüngsten Ausgrabungen stießen die Archäologen jedoch auf eine Grube mit möglichen Abfällen der Schnurbandkeramiker-Siedlung, in der die Scherben zweier Gefäße, ein unbrauchbares Beil und Silexklingen lagen. Auch ein neu entdecktes, leider schlecht erhaltenes Grab zeugt von der Präsenz dieser Kultur im Gebiet des späteren Ringheiligtums. Die Menschen der Schnurbandkeramiker-Kultur hatten bereits ab dem 28. Jahrhundert vor Christus ein erstes kleines, damals noch viereckiges Heiligtum am Standort angelegt und auch ihre Verstorbenen vor Ort beigesetzt.





