„Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück!“ Dieser Ausruf wird dem römischen Kaiser Augustus angesichts der verheerenden Niederlage im Jahr neun n. Chr. zugeschrieben. Sie gilt als ein Wendepunkt in den Bemühungen der antiken Großmacht, auch Germanien zu unterwerfen. Den historischen Überlieferungen zufolge war es den Kämpfern des Cheruskers Arminius gelungen, drei römische Legionen unter Publius Quinctilius Varus völlig zu vernichten. Wo genau das im nördlichen Germanien passiert ist, geht allerdings nicht aus den römischen Quellen hervor und noch immer gilt der Ort der Geschehnisse nicht als eindeutig geklärt.
Als wohl wahrscheinlichster Schauplatz gilt allerdings der Ort Kalkriese im Landkreis Osnabrück. Denn zahlreiche Funde belegen, dass dort eine römische Armeeeinheit gekämpft hat. Dies führte zur Gründung eines Varusschlacht-Museums in Kalkriese. Allerdings ließen sich die dortigen Spuren nicht eindeutig der berühmten römischen Niederlage zuordnen. Denn es könnte auch eine Militäraktion in Betracht kommen, die sechs Jahre später im Rahmen der römischen Rachefeldzüge unter Germanicus erfolgten. Um weitere Hinweise zu gewinnen, wurde deshalb das Forschungsprojekt „Kalkriese als Ort der Varusschlacht? – eine anhaltende Kontroverse“ ins Leben gerufen. In dessen Rahmen haben Forscher des Bergbau-Museums Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, und des Varusschlacht-Museums ein metallurgisches Nachweisverfahren eingesetzt.
Vergleich von metallurgischen Fingerabdrücken
Der Ansatz beruht darauf, dass römische Buntmetalle wie Bronze und Messing eine charakteristische Zusammensetzung von Spurenelementen aufweisen, die vom Herstellungsort abhängen. Diese Substanzen sind über die ursprünglichen Erze, verschiedene Zuschläge bei der Verarbeitung oder sogar durch Anhaftungen an den Werkzeugen in die Metalle gelangt. Durch Analysen mittels Massenspektrometrie lassen sich diese metallurgischen Fingerabdrücke in römischen Buntmetall-Objekten erfassen. Es hatte sich bereits zuvor gezeigt, dass sich die Signaturen auch Legionsstandorten und damit der Ausrüstung der jeweiligen Einheiten zuordnen lassen. Die Verarbeitung vor Ort hat bei den Legionen demnach zur Ausbildung eines charakteristischen Musters in der Zusammensetzung der Spurenelemente ihrer metallischen Ausrüstungen geführt.
Das Nachweisverfahren über diese Signaturen haben die Wissenschaftler nun im Fall von Kalkriese eingesetzt. Sie haben dazu an sieben bekannten Legionsstandorten die Funde von Buntmetall-Objekten untersucht. Dabei lag der Fokus vor allem auf der bekanntermaßen an der Varusschlacht beteiligten 19. Legion, die drei Jahre vor der Varusschlacht im süddeutschen Dangstetten stationiert gewesen war. Außerdem wurden die Buntmetalle von Legionen untersucht, die erst später an den Rachefeldzügen der Römer in Germanien beteiligt waren. „Über zwei Jahre haben wir rund 550 Proben entnommen und analysiert“, so Annika Diekmann vom Deutschen Bergbau-Museum Bochum. „So konnten wir den Legionen, von denen wir wissen, an welchen Lagerstandorten sie stationiert waren, einen eigenen legionsspezifischen metallurgischen Fingerabdruck zuordnen“. Konkret wurde deutlich, dass sich die metallurgische Signatur der 19. Legion von denen der anderen Legionen unterschied. Die Befunde konnten die Wissenschaftler dann mit denjenigen vergleichen, die aus den Funden von römischen Buntmetallen aus Kalkriese stammen.





