Schnurgerade Linien, die bis zu 20 Kilometern Länge erreichen, gigantische Figuren von Spinnen, Vögeln oder Affen – die Nazca-Linien im Hochland von Peru gehören zu den bis heute rätselhaftesten Zeugnissen vergangener Kulturen. Die größtenteils zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. entstandenen Geoglyphen zählen heute zum UNESCO Weltkulturerbe, über ihren ursprünglichen Zweck gibt es aber bisher nur Theorien.
Lama-Muster ins Gestein geritzt
Wissenschaftler um Masato Sakai von der japanischen Yamagata Universität haben nun in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt Nazca 24 weitere, zuvor unbekannte Geogylphen entdeckt. Die meisten der zwischen fünf und 20 Meter langen Linien liegen an einem Berghang, so dass sie früher schon von weitem sichtbar gewesen sein müssen. Heute sind diese Muster allerdings schon stark erodiert und ließen sich nur mit spezieller Ausrüstung, darunter einem 3D-Scanner, identifizieren. Einige der in den Untergrund gekerbten Muster stellen offenbar Lamas dar, teilweise ausgefüllt, teilweise nur in Umrissen zu erkennen, wie die Forscher berichten.
Entstanden sind die neuentdeckten Geoglyphen nach Angaben der Wissenschaftler zwischen 400 und 200 v. Chr. Damit sind die deutlich älter als die meisten bisher bekannten Nazca-Linien. “Auch die Techniken, mit denen die Nazca-Menschen diese Bilder erstellten, sind anders als die der sehr viel größeren Geoglyphen”, sagt Sakai. Zudem liegen die Muster relativ nah beieinander.
Die Forscher hoffen, durch weitere Untersuchungen und weitere Funde mehr über den Zweck dieser Linien und ihre Entstehungsgeschichte herauszufinden. Das allerdings könnte schwierig werden, denn die Stadt Nazca und landwirtschaftliche genutzten Flächen rücken immer näher an die Areale mit den Funden heran. Auch noch unentdeckte Geoglyphen könnten dadurch zerstört werden, bevor man sie finden kann. Wie Sakai berichtet, verhandeln die Wissenschaftler bereits mit den kommunalen Behörden, um einen besseren Schutz dieser wertvollen Kulturzeugnisse zu erreichen.





