Mit allen Sinnen können die Besucher erleben wie das Bauen im Mittelalter aussah: Sie tauchen ein in die Zeit um 1040 und befinden sich mitten auf der Dombaustelle. Der Dombau hat damals gerade erst begonnen, die Fundamente sind gelegt und von einem einfachen Stangengerüst aus werden die Wände gemauert. Ein unfertiger Sandsteinquader und Rekonstruktionen von mittelalterlichen Werkzeugen machen die Arbeit eines Steinmetzen anschaulich, während die Seilwinde in den Besuchern eine Ahnung für die Mühen der damaligen Bauarbeiter weckt.
Eine virtuelle Rekonstruktion, die 2011 zur Salier-Ausstellung entstand, ist nun dauerhaft Teil der Präsentation und zeigt die 1000-jährige Baugeschichte des Doms auf drei parallel geschalteten Großbildschirmen. Der Besucher wird dabei mit auf eine Reise durch die Vergangenheit genommen und kann die Errichtung aber auch die Umbauten und Zerstörungen des Doms miterleben.
Grund und Gelegenheit für die Umgestaltung bot sich im Sommer durch die Abnahme der drei monumentalen Fresken des Münchner Historienmalers Johann Baptist Schraudolph. Seit 1992 im Erweiterungsbau des Historischen Museums der Pfalz angebracht, sind diese jetzt zurück im Dom – für den sie geschaffen wurden – und haben dort im neu sanierten Kaisersaal einen würdigen Standort gefunden.
Etwas ganz Besonderes sind die originalen Farbentwürfe Schraudolphs zu seinen Fresken, die das Historische Museum der Pfalz im neugestalteten Domschatz präsentiert. Diese kleinformatigen Gemälde sind mit höchster Sorgfalt ausgeführt und gewähren tiefe Einblicke in die Arbeitsweise und persönliche Handschrift des Meisters. Sie dienten nicht nur der Vorbereitung und Ausführung, sondern auch der Abstimmung des Bildkonzeptes mit dem königlichen Auftraggeber Ludwig I. Die Entwürfe geben den Besuchern die einzigartige Möglichkeit, den vollständigen, fünfteiligen Bernhards-Zyklus wiederzuentdecken. Die fünfte Freskenmalerei – die Vision des Heiligen Bernhard – konnte bei der Abnahme der Fresken in den 60er Jahren nicht gerettet werden.
Der größte Dom des christlichen Abendlandes war es, den Konrad II. in Speyer bauen wollte. Er legte den Grundstein zum salischen Kaiserdom, aber weder er selbst noch sein Sohn haben die Vollendung erlebt. Erst Heinrich IV. konnte 1061 die Weihe des Domes miterleben und ihn – nach einer frühen Umbauphase – im Jahr 1106 vollenden. Der Dom war ein prachtvolles Zeichen der salischen Macht und seiner Zeit – mit 134 m Länge und einer Höhe im Mittelschiff von 33 Metern – das größte Bauwerk des Abendlandes.





