Die Welt lernte mit der Bombe zu leben: In Zivilschutzkampagnen versuchten Regierungen in Ost und West den Menschen die Angst vor der Atombombe zu nehmen; „protect and survive“ (schütze dich und überlebe) hieß es in Großbritannien, „duck and cover (duck dich und geh in Deckung) in den USA, eine deutsche Broschüre versprach „Jeder hat eine Chance“. Doch ungeachtet aller regierungsamtlichen Bemühungen – die Angst vor der Bombe grassierte und trieb viele Menschen in die Friedensbewegungen.
Die Öffnung der Berliner Mauer und die Wiedervereinigung Deutschlands kam für beide Seiten überraschend. Dass eine Seite „gewonnen“ hätte, wird man nicht behaupten können. Allerdings hatten im Ostblock – neben gewaltigen wirtschaftlichen Problemen – Menschenrechtsdiskurse eine Sprengkraft entwickelt, die die alten Männer im Kreml zunehmend ratlos wirken ließ. Und die den Erwartungshorizont der „Normalbürger“ immer stärker veränderte: Überall im Ostblock waren Auflösungserscheinungen zu beobachten.
Heute sind wir erleichtert, dass der Kalte Krieg Vergangenheit ist. Doch nicht nur die Sprengfallen, die einen Einmarsch von Warschauer-Pakt-Truppen in bundesdeutsches Gebiet hätten aufhalten sollen und nach denen heute Hobbyhistoriker suchen, halten die Erinnerung wach. Die Angst, die im Kalten Krieg herrschte, hatte ihren Preis – das manifestiert sich gleichermaßen in der Entwicklung der imperialen Präsidentschaft in den USA wie in dem nahezu nahtlosen Übergang vom Kalten Krieg in den Krieg gegen den Terror. Und nicht zuletzt ist der Korea-Krieg noch immer nicht beendet: die schwerbefestigte Grenze am 50. Breitengrad ist eine reale Grenze, keine Reminiszenz.
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