Hammerschmidt-Hummel setzte zu einer nochmaligen, umfassenden Überprüfung des Sachverhalts an, nachdem Dr. Tarnya Cooper, zuständige Kuratorin der National Portrait Gallery, im Vorfeld ihrer Ausstellung ”Searching for Shakespeare” (2006) und in ihrem gleichnamigen Katalog die Authentizität des Flower-Porträts in Frage gestellt hatte. Mit Genehmigung des Kurators der Royal Shakespeare Company in Stratford-upon-Avon, David Howells, inspizierte sie im Januar 2007 im Depot der Gemäldesammlung der Gesellschaft das von der Ausstellung zurückgekehrte Flower-Porträt noch einmal gründlichst. Die Shakespeare-Expertin hielt die Beschaffenheit der Tafel (Oberfläche, Rückseite, Ecken und Kanten) fotodokumentarisch fest. Zudem analysierte sie den BBC-Dokumentarfilm ”The Flower Portrait”, der ihr von dem BBC-Produzenten John Hay mit dem Time Code der BBC zur Verfügung gestellt wurde. Dieser Film präsentierte Coopers Ergebnisse im April 2005 einem weltweiten Publikum. Bei der Auswertung ihres neuen Bildmaterials arbeitete Hammerschmidt-Hummel wiederum mit einer Gruppe internationaler Experten zusammen, darunter ein Kriminologe, ein Experte für Alte Meister, ein Dermatologe, ein Radiologe, ein Konservator, eine Restauratorin, ein Inschriftenexperte und ein weiterer Shakespeare-Forscher.
Der von der Shakespeare-Forscherin hinzugezogene Radiologe und Experte für Röntgenaufnahmen Alter Meister, Prof. Volker Menges, stellte fest, dass das von Hammerschmidt-Hummel 1995/96 für echt befundene Flower-Porträt Shakespeares (so benannt nach dem früheren Besitzer Edgar Flower), auf dem sie (in Übereinstimmung mit anderen authentischen Bildnissen des Dichters) Krankheitsmerkmale entdeckte und durch Fachmediziner diagnostizieren ließ, in allen Einzelheiten mit der 1966 im Londoner Courtauld-Institute durchgeführten Röntgenaufnahme des Flower-Porträts in Einklang steht. Nur dieses Röntgenbild, so der Radiologe, weise alle Kriterien eines alten, aus der Shakespeare-Zeit stammenden Porträts auf. Er kommt zu dem Schluss, dass diese Röntgenaufnahme kopiert und im Katalog Searching for Shakespeare als neues Röntgenbild aus dem Jahre 2005 abgebildet wurde.
Das von der Gemälderestauratorin Dr. Eva Brachert vom Landesmuseum Mainz besonders hervorgehobene, auffallend weißliche Gesicht Shakespeares, das sogenannte ”helle Inkarnat” – es ist ausschließlich auf dem Originalbild, nicht aber auf den Kopien vorhanden – erklärt sich, wie Prof. Menges in seinem Gutachten ausführt, durch das vom Maler im frühen 17. Jahrhundert verwendete Bleiweiß. Dies trete, wie der Mediziner ausdrücklich betonte, auf der alten Röntgenaufnahme von 1966 in den ”Lichtpartien des Gesichts” besonders kontrastreich und eindrucksvoll in Erscheinung und erweise sich somit als ein zusätzliches – signifikantes – Echtheitskriterium.





