Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den Geschicken Badens im 19. Jahrhundert. Mit seiner Verfassung von 1818, die ein politisch einflussreiches Zweikammerparlament vorsah, war das Land Vorreiter des deutschen Liberalismus. Während der langen Herrschaft Großherzog Friedrichs I. (siehe DAMALS 7/2012) war Baden ein wichtiger Motor für die Reichseinigung. So war es auch der badische Großherzog, der 1871 den preußischen König Wilhelm I. in Versailles zum deutschen Kaiser ausrief. Abseits der weltpolitischen Bühne, aber nicht minder revolutionär, machte sich Bertha Benz 1888 auf den Weg von Mannheim nach Pforzheim – die bis dahin längste Fahrt eines Automobils! In der Ausstellungsektion „Stadt-Land-Fluss – Innovationen im langen 19. Jahrhundert“ liegt der Fokus auf dem badischen Erfindergeist, der neben dem Fahrrad auch Uhu-Kleber und Maggi-Würze hervorbrachte. Unerwartete badische Einflüsse zeigt ein Fastnachtskleid aus Venezuela. Dorthin wanderten Mitte des 19 Jahrhunderts knapp 400 Badener aus. In ihrer Siedlung im abgeschiedenen Norden Venezuelas bewahren die Bewohner bis in die Gegenwart badische Lebensart, etwa durch alemannische Fastnachtsbräuche und einem regem Austausch mit den Herkunftsgemeinden der Vorfahren am Kaiserstuhl.
Auch die kulturellen Leistungen Badener Köpfe werden hervorgehoben, darunter in akustischer Darbietung die alemannischen Mundartgedichte Johann Peter Hebels und das Wirken des 1916 gestorbenen Pfarrers Heinrich Hansjakob. Der streitbare Katholik war zehn Jahre Abgeordneter im badischen Landtag. Unsterblich wurde er indes als Schriftsteller. In seinen Texten, die in hoher Auflage gedruckt wurden, setzte er dem Schwarzwald und seinen Bewohnern ein Denkmal. Mehrfach geriet Hansjakob in Konflikt mit der Amtskirche, unter anderem lehnte er den sogenannten Antimodernismus-Eid ab, den Papst Pius X. 1910 einforderte. In der Ausstellung ist er durch eine Büste vertreten, die in seinem Auftrag angefertigt wurde und die katholische Kirche darstellt – taub, stumm und blind!
Der Bereich „Zwischen Tätern und Opfern“ richtet den Blick auf Baden im Nationalsozialismus. Exemplarisch werden die Lebensläufe der badischen Nationalsozialisten Robert Wagner und Walter Köhler nachgezeichnet. Wagner, der seit 1932 der Reichsleitung der NSDAP angehörte, stieg nach der Machtergreifung zum Gauleiter in Baden auf. Sowohl dort, als auch ab 1940 im Elsass war er für die Entrechtung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung verantwortlich. Als 1944 der Vormarsch der Alliierten das Elsass erreichte, ordnete er für Baden eine Politik der „Verbrannten Erde“ an und verfolgte Bemühungen um Frieden und Aufgabe mit brutaler Härte. 1946 wurde er durch ein französisches Militärgericht des Mordes an Franzosen im Elsass schuldig gesprochen und hingerichtet. Nach dem Reichsstatthalter Wagner war Walter Köhler als Ministerpräsident der zweite Mann in Baden. In seiner Verantwortung lag vor allem die Wirtschaftspolitik im Elsass, worunter auch die Beschlagnahmung jüdischen Eigentums und die Übergabe an „arische“ Unternehmer fiel. Im April 1945 wurde er in Karlsruhe gefangen genommen und nach dreijähriger Haft als „Minderbelasteter“ eingestuft. Das Urteil sah ein fünfjähriges Berufsverbot und eine Sühnezahlung von 1500 DM vor. Den beiden Täterbiographien stehen Exponate stellvertretend für die zahllosen Opfer gegenüber. Sie belegen die Euthanasie in der Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen genauso wie den menschenverachtenden SS-Terror in dem KZ-Außenlager Haslach.





