Lucullus dient also als „Reiseführer“ durch die politischen Konflikte und dazu, die Mentalität und Funktionsweise eines bestimmten Segments der römischen Oberschicht zu rekonstruieren. Scholz zeichnet seine politisch-militärische Karriere sowie seinen Lebensstil nach und verknüpft sie mit der Systemkrise Roms. Im Ergebnis war Lucullus deutlich mehr als ein bloßer Genießer, aber für seine Gegner bot sein ausschweifender Lebensstil eine willkommene Angriffsfläche: Sie nutzten ihn, um die Aristokratenschicht als dekadent und den machtpolitischen Herausforderungen nicht gewachsen darzustellen. Das flüssig geschriebene Buch führt kenntnisreich durch die späte Republik und macht ihren Niedergang bzw. Wandel verständlich.
Rezension: Dr. Sebastian Rojek
Peter Scholz
Lucullus
Herrschen und Genießen in der späten römischen Republik
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2024, 408 Seiten, € 28,–





