„Kulturen offenbaren und artikulieren sich über ihre Kunst“, ist Prinz Aga Khan IV. überzeugt und bezieht daraus die Idee, dass sich über die Präsentation von Kunst im Museum Bevölkerungsgruppen „auf phantasievolle und intelligente Weise“ kennenlernen können. Die Berliner Ausstellung bietet dazu zweifellos grandiose Möglichkeiten. Am Beispiel von Koranblättern lernt der Besucher kalligraphische Varianten kennen. Er wird eingeführt in die Themen Pilgerfahrt und Gebet und reist – nicht zuletzt mit Hilfe einer attraktiven Videopräsentation – von Cordoba bis Damaskus und von Bagdad bis Delhi. Welche Techniken Seereisenden zur Verfügung standen, erfährt man unter anderem am Beispiel eines Astrolabiums; Schreibschatullen und Schreibgeräte verweisen auf die Wertschätzung der Schriftkultur; die Kunstfertigkeit von Handwerkern wird ebenso an geschnitzten und bemalten Holzbalken und -gittern belegt wie an Bronzegefäßen, Keramiken, Glas, Mosaiken oder filigran bearbeitetem Goldschmuck. Textilien aus dem 10./11. Jahrhundert, die sich angesichts der spezifischen klimatischen Bedingungen in Ägypten ungewöhnlich gut erhalten haben, komplettieren die Beispiele qualitätvoller Handwerkskunst.
Große Begeisterung und besonderes Entzücken rufen die Handschriften hervor, die aus dem „iranisierten Osten“ stammen. Das reicht von Blättern mit pflanzenkundlichen Darstellungen aus Zentralasien über Buchmalereien aus Mosul (Irak) zu illustrierten Handschriften vom 13. bis zum 17. Jahrhundert , die aus dem Iran und Nordindien stammen. Auf unnachahmliche Weise setzen sie Poesie in Bilder um oder schildern die Taten und Erlebnisse von Herrschern. Anhand der hilfreichen textlichen Einführungen, die die Kuratoren den Besuchern an die Hand geben, lassen sich die Ereignisse dann auch im Bild bestens nachvollziehen; das Entzücken über die farbenfrohen Miniaturen dadurch beträchtlich steigert.
Zur Ausstellung ist im Nicolai Verlag ein ausgezeichnet bebilderter Katalog mit klugen Exponatbeschreibungen und hilfreichen einführenden Aufsätzen erschienen (Berlin 2010). Nicht nur denjenigen, die die Ausstellung verpassen, sei er empfohlen.





