Am 6. Juni reichte Grégoire im Nationalkonvent einen Bericht ein, in dem er die in Frankreich herrschende babylonische Sprachverwirrung beklagte. Er behauptete, dass von den damals rund 25 Millionen Franzosen nur drei Millionen das „reine“ Pariser Französisch als Muttersprache sprächen. Der große Rest der Bevölkerung, der nur einen der 33 regionalen Dialekte sprach, sei von der politischen Teilhabe ausgeschlossen, da er die Debatten und Dokumente in Hochsprache gar nicht verstehe. Und überhaupt: Das Korsische und Elsässische seien ja nur degenerierte Formen des Italienischen bzw. Deutschen. Vom Okzitanischen wiederum, der einstigen Sprache der Troubadoure, seien nur vereinzelte Überreste vorhanden. Die Dialekte, so Grégoires Schlussfolgerung, sollten daher zugunsten der Pariser Hochsprache zurückgedrängt werden. Im Nationalkonvent stieß er mit seinen Überlegungen auf offene Ohren. Noch 1794 wurden zwei Gesetze erlassen, die die Hochsprache zur einzig anerkannten Sprache des öffentlichen Lebens und in den Schulen machte. Diese Politik wurde fortgesetzt: Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts wurden die Dialekte immer weiter ins Abseits gedrängt und in vielen Fällen gänzlich ausgerottet.





