Ein eiserner Sarkophag dominiert den Ausstellungsraum. Die Dame mit einem Gesicht aus Holz scheint einen bodenlangen Mantel aus Eisen zu tragen, der sich öffnen lässt und sein Innerstes freigibt. Manch einem mag die Dame bekannt sein: aus Bram Stokers Gruselgeschichten oder aus dem Horrorfilm „Sleepy Hollow“ des US-amerikanischen Filmemachers Tim Burton, wo sie als Folterinstrument auftaucht.
Sie steht sinnbildlich für das dunkle Mittelalter mit seinen sadistischen Foltermethoden und barbarischen Strafen und ist das Highlight der Ausstellung des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber. Dabei war sie niemals zur Vollstreckung der Todesstrafe im Mittelalter verwendet worden, sondern ist eine Erfindung der Neuzeit. Nicht nur ihre Rezeption, sondern ihre eigene Geschichte beginnt mit einem Mythos, demzufolge sie mit ihren in der Innenseite befestigten Dornen Verurteilte verletzte und schließlich sogar zu Tode brachte.
Aus mittelalterlichen Quellen kann das unheimliche Folterinstrument jedoch nicht belegt werden. Erst im 19. Jahrhundert tauchte eine „Eiserne Dame“ mit spitzem Innenleben in der Nürnberger „Folterkammer“ des Antiquitätenhändlers Georg Friedrich Geuder auf. Die Schauergeschichten spinnen sich wie von selbst, und die Legende hält sich hartnäckig. Doch das Kriminalmuseum räumt mit dieser Geschichte der „Eisernen Jungfrau von Nürnberg“ auf: Im Mittelalter war sie nur ein Schandmantel, der zwar zur Bestrafung, aber nicht zur Tötung eingesetzt wurde. Die eisernen Dornen wurden erst im 19. Jahrhundert nachträglich an der Innenseite des Mantels angebracht und machten ihn zu einem Marterwerkzeug. Lange glaubte man, die „Eiserne Jungfrau“ sei während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen. Sie tauchte aber nach einer langen Reise durch die USA in den 1960er Jahren wieder auf und landete als Herzstück in der Dauerausstellung des Kriminalmuseums.
Das Mittelalterliche Kriminalmuseum befindet sich mitten in der Altstadt. So liefert bereits der Weg zum Museum, das sich heute in der Johanniterkomturei der St.-Johannis-Kirche befindet, den perfekten Hintergrund und das Sprungbrett für die Zeitreise in das Mittelalter. Das Museum entstammt einer Idee des Verlegers Rudolf Hermann Albrecht, der um 1900 in die mittelfränkische Stadt kam und nach Nürnberger Vorbild die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Folterkammer im Stadtmauerturm des heutigen Burghotels einrichtete.
Die Sammlung übergab er schließlich dem Künstlerehepaar Ernst Paul Hinckeldey und Marta Hinckeldey-Wittke, die das Museum weiterführten und ausbauten. Ihr Sohn übernahm den Betrieb in den 1950er Jahren. Die Ausstellung war so groß geworden, dass sie im Turm keinen Platz mehr fand, sie zog daher in die ehemalige Johanniterkomturei aus dem 14. Jahrhundert um, wo sie sich auch heute noch befindet. Hier entwickelte sich ein Rechtskundemuseum mit heute gut 50 000 Exponaten, davon 2000 in der Präsenzausstellung. Ein Rundgang folgt dem Ablauf eines mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Strafverfahrens.





