1991 verfolgten die Menschen in aller Welt voller Staunen die Bergung eines vollständig erhaltenen Menschen aus der Kupferzeit, der in einem Gletscher der Ötztaler Alpen 5300 Jahre fast unversehrt überdauert hat, Kleidung und Werkzeug inklusive. Von den Medien liebevoll „Ötzi“ getauft, hält uns der berühmte Südtiroler seitdem auf Trab mit immer neuen Erkenntnissen zu seinem Leben und seinem Tod. Bis auf Haut und Knochen analysiert, bekannt wie unser Wohnungsnachbar und gleichzeitig voller Rätsel, löst Ötzi damals wie heute konträre Emotionen und Reaktionen aus. Die Sonderausstellung „Ötzi20“ ist eine Momentaufnahme. Zugleich stellt sie die Frage nach der Zukunft: Welche Geheimnisse werden neueste Untersuchungsmethoden dem Mann aus dem Eis noch entlocken? Ötzi wurde von zahlreichen WissenschaftlerInnen erforscht und von fast drei Millionen Menschen im Museum besucht. Dem Leben vieler Menschen fügte er neue Perspektiven hinzu: er schob wissenschaftliche Karrieren an, schuf Arbeitsplätze, brachte Menschen aus aller Welt nach Bozen.
Die Sonderausstellung wird die gesamte Ausstellungsfläche des Museumsgebäudes von 1200 Quadratmetern für sich beanspruchen: Vier Etagen stehen jeweils unter einem der Themen life, science, fiction und reality und umfassen die gesamte Bandbreite von Ötzis Entdeckung, seinen Lebensumständen, den Forschungsergebnissen, der Medienrealität sowie der Fiktionen und Fragen, die um Ötzi herum entstanden sind. Jedes Stockwerk präsentiert sich in einem eigenen, vom Thema inspirierten Design und Material und gewährt neue Perspektiven von Ein- und Durchsichten. Interaktive Stationen und der Einsatz von Filmen, Interviews, Hands-on garantieren eine spannende und unterhaltsame Wissensvermittlung.
Die Sonderausstellung versteht sich nicht nur als Rückblick, sondern vor allem als Momentaufnahme eines bestimmten Zeitraums nach Ötzis Entdeckung und zeigt die auch ständige Veränderung an den Erkenntnissen und dem Bild, das von Ötzi entsteht. Dies spiegelt sich auch in der Ausstellungsgestaltung wider: Wissenschaftliche Neuentdeckungen und neue Diskussionsansätze fließen auch während der Ausstellungsdauer laufend ein und vermitteln den Mann aus dem Eis als Fenster in unsere archäologische Vergangenheit und soziale Sensation, die uns noch lange weiterbeschäftigen wird.
Eine der am häufigsten gestellten Fragen bleibt auch heute noch: Wie sah Ötzi wirklich aus? Viele Rekonstruktionsversuche konnten bisher keine zufriedenstellende Antwort darauf geben. Zur Ausstellungseröffnung von „Ötzi20“ stellt das Südtiroler Archäologiemuseum der Öffentlichkeit eine neue Rekonstruktion von Ötzi vor, die auf anatomischen 3D-Aufnahmen des Skeletts basiert. Zwei renommierte Experten aus den Niederlanden, Alfons und Adrie Kennis, die bereits dem Neandertaler ein Gesicht gaben, arbeiten bereits daran. Neben ihrem künstlerischen Input werden auch wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forensik in die Rekonstruktion einfließen. Das neue Gesicht und die neue Gestalt von Ötzi sind mit Ausstellungeröffnung am 1. März 2011 zu besichtigen und lösen das bisherige öffentliche Bild vom Mann aus dem Eis ab.





