Tautz’ Schicksal ist eines von vielen. Ein biographisches Handbuch macht diese bislang wenig beachteten Opfer, die nicht an der innerdeutschen Grenze, sondern an anderen Grenzen des Eisernen Vorhangs ihr Leben ließen, sichtbar. Hinter der Publikation steht ein Team des inzwischen aufgelösten Forschungsverbunds SED-Staat an der Freien Universität Berlin um den Politikwissenschaftler Jochen Staadt. Das Handbuch schildert die Lebensgeschichten der DDR-Bürger, die bei Fluchtversuchen über die Grenzen der Tschechoslowakei, Ungarns, Bulgariens, Rumäniens, Jugoslawiens und Polens getötet wurden, und geht ihren Fluchtmotiven nach.
Um ihre Fälle zu rekonstruieren, wurde mit Wissenschaftlern in Mittelost- und Südosteuropa zusammengearbeitet. Dabei wurden umfangreiche Quellen und Archivmaterial ausgewertet – von Überlieferungen der Geheimdienste, Außenministerien und Grenztruppen bis zu privaten Briefwechseln, Zeitungsartikeln und Zeitzeugengesprächen.
Die Menschen wurden von Grenzwachen erschossen, durch Stromschläge getötet oder – wie Tautz – von Hunden tödlich verletzt. Sie ertranken in Grenzgewässern, starben bei Unfällen in Fluchtfahrzeugen oder erfroren in unwegsamem Gelände. Einige begingen vor der drohenden Festnahme oder nach erfolgter Inhaftierung Suizid. Unter den Fällen und Verdachtsfällen, die das Handbuch registriert, befinden sich auch Opfer ohne Fluchthintergrund und Westdeutsche.





