Archäologen kennen kein älteres Schlachtfeld in Europa als jenes entlang der Tollense, die sich mäandrierend durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte schlängelt. Gesichert ist auch die Datierung der Funde in Sümpfen und unter Wasser auf die spätere Bronzezeit um 1300 v. Chr.
Ende der 1970er Jahre wurden erste Überreste menschlicher und tierischer Knochen, auch Waffen, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände aus Bronze sowie Schmuck aus Kupfer und Gold ausgegraben; 2009 begann ihre Erforschung. Mittlerweile zählen Wissenschaftler des Geographischen Instituts der Universität Greifswald 12 500 Knochenstücke von mindestens 150 Individuen, ausschließlich jungen Männern zwischen 18 und 40 Jahren. Aus der hohen Anzahl der Schädel schließen Experten, dass sich hier zwei verfeindete Heerscharen von insgesamt 2000 Kämpfern eine Feldschlacht lieferten. Experten waren überrascht über das bis dahin ungekannte Ausmaß an Brutalität und Blutvergießen, gilt doch die Bronzezeit eher als friedliche Epoche.
Auffällig sind die vielen Schädelverletzungen durch Pfeilspitzen aus Feuerstein und Bronze. Häufig wurden den Opfern mit Schwertern und Lanzenspitzen auch Schnitt- und Stichwunden in Brust und Rücken zugefügt, sowie Frakturen durch Holzkeulenschläge. Hingegen fand man kaum Überreste von Waffen, Ausrüstungen und Kleidern. Wahrscheinlich, so eine Annahme, haben die Sieger die getöteten Gegner restlos geplündert.
Doch wer kämpfte gegen wen und wofür? Analysen der gefundenen Knochen gaben weder Aufschluss über die Herkunft der Kämpfer noch ihrer Herrscher und Befehlshaber. Anlass könnte die Kontrolle über die Handelsroute zur Ostsee gewesen sein. Spuren eines Damms sowie Überreste einer Holzbrücke lassen vermuten, dass durch das sumpfige Tollensetal ein bereits 500 Jahre bestehender Handelsweg führte und das heutige Fundareal einen Knotenpunkt bildete. Objekt der Begierde könnten Kupfer- und Zinnbarren gewesen sein. Die Metalle wurden im nahen Erzgebirge gewonnen.
Interessant ist auch die These, im Tollensetal habe der erste Nord-Süd-Konflikt Europas stattgefunden. Die Hochkulturen im Mittelmeerraum, die Handelsbeziehungen bis zur Ostsee unterhielten, waren in der späten Bronzezeit von politischen Umwälzungen erschüttert worden. Die Folgen dürften sich auf Handelskarawanen nicht immer gewaltfrei ausgewirkt haben.





