Im Jahr 1143 zogen zwölf Mönche unter Abt Dieter aus dem elsässischen Kloster Neuburg bei Hagenau nach Osten, um ein neues Zisterzienserkloster in Eckenweiher zu gründen. Der noch junge Mönchsorden hatte klare Vorstellungen davon, welche Bedingungen der neue Standort für ein Zisterzienserkloster zu erfüllen hatte: Er sollte nicht zu nahe an Ortschaften und Fernstraßen gelegen, mit Wasser gut versorgt und mit landwirtschaftlichen Nutzflächen ausgestattet sein. Diese Voraussetzungen traf der Konvent in Eckenweiher offenbar nicht an. Rasch suchte er deshalb nach einem neuen Ort für das Kloster und fand ihn im sechs Kilometer entfernten Maulbronn.
Als die Zisterzienser das Gebiet um das heutige Kloster Maulbronn im Jahr 1147 in ihren Besitz nahmen, konnten sie schon bald Wein- und Ackerbau sowie Viehzucht betreiben. Die Mönche, die ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollten, mussten in dieser wirtschaftlichen Gegend allerdings zuerst die Wasserversorgung garantieren. Dies allerdings bedurfte beträchtlicher Anstrengungen. Ein ausgedehntes Kanalsystem musste geschaffen werden, um Quellen aus der Umgebung in das Maulbronner Tal zu lenken. Die Wasserdurchspülung der Klosteranlage benötigten die Zisterzienser für Latrinen, Abfallbeseitigung, Küche, Stallungen, Mühlenbetrieb, Kelterei, Handwerksbetriebe und die Fischzucht. Den Wasserlauf der Salzach fassten die Zisterzienser innerhalb der Klostermauern als Kanal, der Abwässer und Abfälle aufnehmen konnte und der das Kloster bis heute durchfließt.
Ebenfalls wurden neue Teiche angelegt, die Wasser für regenarme Zeiten speichern und zugleich der Fischzucht dienen sollten. Dafür wurde ein Netz von 20 Stauseen und Weihern stufenweise im Tal der Salzach übereinander angelegt. Von den Seen und Weihern sind heute nur noch drei – Tiefer See, Roßweiher und Aalkistensee, vollständig erhalten.
Die Fischerei in den Binnengewässern war im Mittelalter wegen der zahlreichen Fastentage sehr wichtig, denn Fisch galt als Fastenspeise. Bei bis zu 150 Fastentagen im Jahr spielte der Fisch daher eine nicht uninteressante Rolle. Oft reichte der Fischbestand aus den natürlichen Gewässern allerdings nicht aus, um die die Bevölkerung mit Fischen zu versorgen. Das Kloster Maulbronn ging wie viele andere Klöster deshalb dazu über, Fische in seinen Weihern zu züchten. Aale, Hechte, Rotaugen und Karpfen wuchsen in den Klosterteichen heran, um abgefischt und im Dorf verkauft zu werden.
Fische waren aber auch im Zisterzienserkloster ein wichtiger Bestandteil der Mahlzeiten – nicht nur während der Fastentage, denn die Mönche lebten nach dem Gebot der völligen Fleischabstinenz, und Fisch wurde nicht als Fleisch angesehen. Der Tiefe See in Maulbronn wurde zum Beispiel schon seit Mitte des 12. Jahrhunderts als Fischteich zur Zucht genutzt. Schnell wurde der Fisch auch zu einem wichtigen Handelsgut, mit dem das Kloster die umliegenden Dörfer belieferte. Sogar bis nach Speyer reichte ein Handelsweg. Die Zisterzienser wurden zu findigen Geschäftsmännern, was den Kirchenmännern harsche Kritik von Seiten der Bevölkerung einbrachte.





