Die erst kürzlich mit dem bayerischen Museumspreis ausgezeichnete Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg eröffnete vor einiger Zeit ihre neue Dauerausstellung mit dem Titel „Was bleibt – Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg“. Die Ausstellung beleuchtet in zahlreichen Exponaten den zwischen Vergessen, Verdrängen und bewusster Erinnerung schwankenden Umgang mit dem Ort und seiner Schrecken seitens der Opfer, aber auch der Täter, der örtlichen Bevölkerung sowie der deutschen Öffentlichkeit in den Jahren zwischen der Befreiung des Lagers und heute. Sie schließt damit in sinnvoller Weise an die bereits bestehende Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers in den Jahren 1938 bis 1945 an. Im vergangenen Monat erschien nun der begleitende Ausstellungskatalog mit dem gleichnamigen Titel beim Wallstein-Verlag in Göttingen. Dieser Begleitband fasst in aufwändiger Darstellungsweise alle inhaltlichen Aspekte der museologisch innovativ gestalteten Ausstellung zusammen und übernimmt dabei auch ihre thematisch anspruchsvolle Gliederung. Ergänzend dazu werden das Ausstellungskonzept und seine Realisierung dargestellt.
Bei der Gestaltung der Dauerausstellung „Was bleibt“ gingen die Konzeptgestalter vielfach neue Wege. Bereits beim Betreten bemerkt der Besucher die an klassische Dramen angelehnte Aufteilung der Ausstellung in Prolog, Hauptteil und Epilog. Einer Sammlung allgemeiner Eindrücke zum KZ in Flossenbürg folgt so der Raum, in dem die Exponate ausgestellt sind. Dort zeigt sich ein weiteres neuartiges Konzept: die mediale Nutzung des Raumes zur Vermittlung von Wissen. Chronologisch gestaffelt durch eine mit Filmsequenzen und Bildern bestückte Zeitleiste, die in sieben von den Gestaltern der Ausstellung gewählte Epochen aufgeteilt wurde, ist der Ausstellungsraum anhand von vier Leitthemen – Ort, Erinnerung, Opfer, Täter – gegliedert. Die entlang dieser beiden Achsen aufgestellten Exponate und Info-Tafeln laden den Besucher dazu ein, durch beliebiges Hin- und Herlaufen eigene Verknüpfungen der Ausstellungsinhalte zu schaffen. So entsteht laut den verantwortlichen Wissenschaftlern die Möglichkeit, räumliche Beziehungsgefüge zur Vernetzung komplexen Wissens zu nutzen. Den Raum, begriffen als eigenständiges Medium, ergänzen auf einzelne Exponate bezogene Tondokumente, die den Besucher vom Hinsehen zum Hinhören animieren. Dieses neuartige Konzept soll die emotionale Bindung und Empathie der Besucher zu den in der Ausstellung gezeigten Schicksalen fördern. Als Epilog folgt schließlich der Blick auf die Gegenwart: Der Besucher tritt hinaus auf den ehemaligen Appellplatz des Lagers. Hieran verdeutlicht sich das letzte, die Dauerausstellung prägende Konzept. So sollen in ihr Vergangenheit und Gegenwart, Tat und Erinnerung gleichsam erfasst werden, um das Phänomen der Konzentrationslager nicht als Teil einer abgeschlossenen Vergangenheit, sondern einer sich damit beschäftigenden Gegenwart zu definieren.
Der Katalog zur Ausstellung soll durch sein ungewöhnliches Layout die Besonderheiten dieser neuartigen Ausstellung einfangen und dem Leser in vollem Umfang präsentieren. Dazu werden die großformatigen Buchseiten nicht inhaltlich, sondern nach den oben genannten vier Leitthemen gegliedert. Der Begleitband ist außerdem in Kapitel aufgeteilt, die den einzelnen Epochen der in der Ausstellung präsentierten Zeitleiste entsprechen. Diesen Kapiteln voran gehen die zeitgeschichtlichen und lokalhistorischen Hintergründe der gewählten Epochen. In Kombination ergibt sich so für den Leser die Möglichkeit, das neuartige Konzept der räumlichen Freiheit der Ausstellung auch anhand des dazugehörigen Kataloges nachzuvollziehen.





