Matthias Becher, MittelalterHistoriker an der Universität Bonn, war an dieser Neubewertung beteiligt und kennt die einschlägigen Akzente genau. In seiner Darstellung finden sie sich allerdings kaum wieder, dagegen eine bis ins Detail gehende Erzählung der Ereignisse. Selbst im allzu knappen, nur 18 Seiten umfassenden systematischen Versuch, „Herrschaft und Gesellschaft“ der Zeit zu beschreiben, ist zur guten Hälfte von den Arbeitsbedingungen der Bauern und wenig von denen des Königs die Rede. Bechers Erzählungen aber setzen wirkliche oder vermeintliche Gegner Ottos wieder ins Unrecht, weil sie die Rahmenbedingungen von Herrschaft mittels der veralteten Vorstellung vom „Personenverbandsstaat“ darstellen, statt neuere Perspektiven zu verfolgen, etwa die Rolle von Vermittlern in Konflikten, die Bedeutung von Ehrverletzungen oder die Aussagekraft von rituell-symbolischem Verhalten.
Auch Bechers Fazit („Otto ‚der Große‘?“) bleibt merkwürdig eindimensional auf den König und Kaiser fokussiert und bietet nebeneinander Wertungen wie: „Historische Leistungen lassen sich nur aus der je eigenen Zeit einer handelnden Person beurteilen“ und „Die Zeitgenossen darf man also nicht zu Rate ziehen, wenn man die Frage nach der Bedeutung eines Herrschers stellt“. Den Ansprüchen an eine Herrscherbiographie auf dem modernen Forschungsstand wird dieses Buch jedenfalls nur sehr partiell gerecht.
Rezension: Prof. Dr. Gerd Althoff





