Diese Entwicklungen und Gefühlslagen manifestierten sich auch in den zeitgenössischen Bildmedien. Katharina Krause hat zahlreiche Bilder aus der Zeit unter die Lupe genommen. Im Mittelpunkt stehen Bilder, die die Angehörigen der Pariser „Unterschichten“ repräsentieren. Besonderes Augenmerk richtet die Kunsthistorikerin auf die „Cris de Paris“, die sogenannten Pariser Kaufrufe. Es handelt sich dabei um Graphiken, die Szenen des Alltagslebens auf den Pariser Straßen zeigen: Händlerinnen und Händler, die durch lautes Rufen auf den Verkauf ihrer Waren aufmerksam machen, wie die Milchfrau, der Holzlieferant oder der Kohlenverkäufer.
Krause analysiert eine große Auswahl solcher Bilder. Sie fragt danach, wie die randständigen Gruppen dargestellt wurden, wer die Bilder herstellte und verbreitete und welche Intentionen dabei verfolgt wurden. Vor allem interessiert sie die Frage, wie die Bilder, die die ärmere Bevölkerung der Metropole zeigen, dazu beitrugen, bei ihren Betrachtern Sicherheit oder Unsicherheit zu erzeugen, und so auch in der Lage waren, die politischen Verhältnisse zu beeinflussen.
Die Studie macht deutlich, dass zum einen zwar Bilder verbreitet wurden, die der Kommunikation von Bedrohungen dienten, zum anderen aber auch solche, die darauf abzielten, Sicherheit zu stiften. Den „Cris de Paris“ kam demnach die Funktion zu, die städtische Ordnung zu stabilisieren. Die Graphiken demonstrierten die Sichtweise der Bildproduzenten und Betrachter und zeigten demnach, was die Eliten unter einer guten Ordnung des Straßenhandels verstanden. Die Visualisierung von stabilen Zuständen in Bezug auf Gruppen, die in der Öffentlichkeit als Unruhestifter betrachtet wurden, sollte in einer verunsicherten städtischen Gesellschaft einen Beitrag zu einem Gefühl von Sicherheit leisten und Orientierung bieten.





