Archäologen haben bei Ausgrabungen antiker Stätten schon viele Behälter und Flakons entdeckt, die einst wahrscheinlich Kosmetika oder Parfum enthielten. Doch in der Regel war der Inhalt dieser Funde längst entwichen oder zersetzt, so dass bisher nur wenig darüber bekannt ist, welchen Duft der Mann oder die Frau von Welt in der Römerzeit auflegten. In historischen Aufzeichnungen sind jedoch mehrere Rezepte für aromatisierte Öle erhalten. So beschreibt Plinius der Ältere, dass Parfum und Salben aus zwei essenziellen Komponenten bestehen sollten: einer Basis aus flüssigem und einem Duftstoff aus festen oder flüssigen Substanzen. Welche Duftstoffe dies jedoch waren, blieb in diesen Beschreibungen eher vage.
Flakonfund in antikem Mausoleum
Jetzt haben Daniel Cosano von der Universität Cordoba und seine Kollegen in der spanischen Stadt Carmona eine Entdeckung gemacht, die erstmals mehr Einblick in die antiken Parfum-Vorlieben gibt. Bei Ausgrabungen in Vorbereitung auf den Neubau eines Hauses stießen sie auf einen unterirdischen Gang, der sich als Familien-Mausoleum aus römischer Zeit erwies. In diesem Gewölbe waren die kremierten Überreste von sechs Personen – drei Frauen und drei Männern – bestattet. Ihre Urnen aus Stein oder Glas standen in verschiedenen Nischen in der Wand des Mausoleums. Die bemalten Wände und die Machart der Urnen legten nahe, dass es sich um die Grabstätte einer wohlhabenden antiken Familie handelte, wie die Archäologen berichten.
In einer der Urnen – einem amphorenartigen Behältnis aus Glas – entdeckten die Archäologen neben der Asche einer mit 30 bis 40 Jahren verstorbenen Frau, einem Stoffsäckchen mit organischen Rückständen und drei Bernsteinperlen auch einen kleinen, aus Bergkristall gefertigten und mit einem Stopfen verschlossenen Flakon. In Form und Machart entsprach dieses kleine Fläschchen einem sogenannten Unguentarium, einem Behälter, in dem früher Salben oder Essenzen aufbewahrt wurden. “In römischer Zeit waren solche Quarz-Behältnisse sehr seltene Luxusobjekte”, schreiben Cosano und seine Kollegen.
Reste von Patschuli-Essenz
“Schon in dieser Hinsicht war das Unguentarium ein ungewöhnlicher Fund”, so die Archäologen. “Noch ungewöhnlicher aber war die Tatsache, dass dieser Flakon noch immer dicht verschlossen war und eine feste Masse enthielt.” Dies weckte die Hoffnung, dass im Inneren des Quarzkristall-Fläschchens noch ein analysierbarer Rest seines ursprünglichen Inhalts erhalten geblieben war. Um das herauszufinden, unterzogen die Wissenschaftler Stöpsel und Inhalt des Flakons verschiedenen spektroskopischen Analysen sowie einer Gaschromatografie-Massenspektrometrie (GC-MS). Diese ergaben zunächst, dass der Flakon mit einem Stöpsel aus Dolomitgestein und Bitumen als Kleber verschlossen worden war. Diese Kombination hatte dafür gesorgt, dass der Flakon mehr als 2000 Jahre hindurch sicher verschlossen blieb.





