Am Anfang der aktuellen Entdeckungsgeschichte stand die Beobachtung eines Jägers, der im Jahr 2016 von seinem Hochsitz aus auf ein Kornfeld in der Nähe von Bad Ems in Rheinland-Pfalz blickte. Er stellte Farbunterschiede fest, die er für mögliche Spuren von Strukturen unter der Oberfläche hielt. Auf seinen Hinweis hin begann dann die archäologische Untersuchung, die immer mehr spannende Hinweise lieferte. Es zeigte sich zunächst, dass die Spur von einem doppelten Graben stammt, der offenbar einst ein römisches Lager umschloss. In den Ergebnissen einer geomagnetischen „Durchleuchtung“ des Untergrunds zeichnete sich dann schließlich ein acht Hektar großes Militärlager mit rund 40 Türmen aus Holz ab.
Daraufhin wurde ein Grabungsprojekt initiiert, über dessen vorläufige Ergebnisse nun die Goethe-Universität Frankfurt am Main berichtet. Aus den Untersuchungen der baulichen Überreste geht hervor, dass das Lager offenbar nie das geplante Ausbauniveau erreichte: Die Archäologen stießen nur auf die Spuren eines festen Gebäudes, sowie eines Speichers und eines Magazinbaus. Möglicherweise waren in dem Lager allerdings 3000 Soldaten stationiert, die offenbar in Zelten schlafen mussten. Brandspuren legten zudem nahe, dass das Lager am Ende wohl gezielt niedergebrannt worden war.
Zwei mysteriöse Römerlager
Wie das Team berichtet, ist die Region archäologisch kein unbeschriebenes Blatt: In nur zwei Kilometern Luftlinie vom aktuellen Fundort entfernt waren bereits im Jahr 1897 auf dem sogenannten „Blöskopf“ antike Spuren entdeckt worden. Sie wurden als die Reste eines römischen Hüttenwerks interpretiert, da unter anderem Metallschlacken gefunden wurden. Man vermutete auch, dass diese Anlage

in Verbindung zum Limes gestanden haben könnte, der um 110 n. Chr. nur wenig weiter östlich errichtet worden war. Vor dem Hintergrund einer möglichen Verbindung mit dem neuentdeckten Lager widmeten die Archäologen deshalb auch dem „Blöskopf“ erneut eine Untersuchung.
Wie die Goethe-Universität Frankfurt berichtet, sorgte diese Ausgrabung ebenfalls für Überraschungen: Auf dem „Blöskopf“ stand keine Ofenanlage, sondern ein weiteres etwa 40 Mann fassendes Militärlager. Der Fund einer im Jahr 43 n. Chr. geprägten Münze belegte dabei, dass das Bauwerk wohl nicht im Zusammenhang mit dem erst 110 n. Chr. errichteten Limes entstanden war. Das Lager war außerdem eindeutig martialisch geprägt: Die Archäologen fanden erstaunlich gut erhaltene Überreste des antiken Pendants zum Stacheldraht: „Annäherungshindernisse“ bestehend aus zugespitzten Holzpfählen, mit denen der nach unten spitz zulaufende Graben um das Lager einst ausgerüstet war.





