Die Moche-Kultur hatte ihre Blütezeit zwischen etwa 350 und 850 n. Chr., wie zahlreiche Funde in den Küstentälern im Norden Perus belegen. Dazu gehören beeindruckende Bauwerke wie riesenhafte Lehmziegel-Pyramiden, aber auch mit reichen Grabbeigaben und Malereien geschmückte Gräber hochrangiger Mitglieder der Moche-Gesellschaft. Wandfresken in den Gräbern und Gebäuden deuten darauf hin, dass die Religion der Moche aufwendige Zeremonien, Rituale und einen Totenkult umfasste, auch Menschenopfer gehörten wahrscheinlich dazu.
Moche-Thronsaal mitsamt Thron
Das südlichste Zentrum der Moche-Kultur ist die Ruinenstadt Pañamarca, die auf einem Granithügel im Nepeña-Tal rund 30 Kilometer südöstlich der peruanischen Großstadt Chimbote liegt. Sie besteht aus einer imposanten abgestuften Lehmplattform und zwei niedrigeren, aber weitläufigen Lehmplattformen sowie einem großen, von Lehmmauern umgebenen Platz und zahlreichen anderen Bauwerken. Ausgrabungen in Pañamarca haben zudem zahlreiche kunstvolle Wandmalereien freigelegt. Sie zeigen Priester und Krieger in Prozessionen, Kämpfe zwischen übernatürlichen Wesen, einen ungewöhnlichen Mann mit zwei Gesichtern und zeremonielle Aktivitäten mit Beteiligung menschlicher Gefangener.
Doch in der diesjährigen Grabungssaison hat das Team des Pañamarca-Projekts eine ganz besondere Entdeckung gemacht: Die Archäologen stießen auf einen reich verzierten, von Säulen durchsetzten Thronsaal mitsamt steinernem Thronsessel – schon das ist ein spektakulärer Fund. Das Ungewöhnliche jedoch: Die Wandbilder in dem “Saal der Moche-Bilder” (Sala del Imaginario Moche) getauften Raum zeigen keinen männlichen Herrscher, sondern eine hochrangige Frau. In vier verschiedenen Szenen erscheint sie mal als Anführerin einer Prozession, mal auf ihrem Thron oder beim Empfang von Gästen. Eine Krone auf ihrem Kopf zeichnet sie klar als Herrscherin aus, wie die Archäologen berichten.

Klare Hinweise auf eine Frau als Herrscherin
“Pañamarca überrascht uns immer wieder”, sagt Grabungsleiterin Lisa Trever von der Columbia University. “Nicht nur wegen der endlosen Kreativität ihrer Künstler, sondern auch, weil ihre Arbeiten unsere Erwartungen zu den Geschlechterrollen der Moche-Kultur auf den Kopf stellen.” Denn bisher gingen Archäologen ehr von männlichen Herrschern der Moche aus. Der nun entdeckte Thronsaal ist jedoch einer weiblichen Herrscherin gewidmet – ein männlicher Gegenpart taucht in den Wandgemälden nicht auf.





