Pettrich war einer der ersten, der sich im Medium der Skulptur mit Tecumseh und anderen Native Americans wie Black Hawk und Keokuk beschäftigte. Der Dresdner Bildhauer schuf eine einzigartige Fülle an “Indianerskulpturen”. Sein “Indianisches Museum” – er selbst wählte diese Bezeichnung in einem Brief an Papst Pius IX. – ist eine außergewöhnliche Sammlung an Flachreliefs, Statuen, Büsten und Bozzetti aus terrakottafarben bemaltem Gips. Trotz seines Umfangs und seiner Einzigartigkeit hat das künstlerische Werk Pettrichs nie denselben Bekanntheitsgrad erreicht wie etwa die “Indianerbilder” von George Catlin oder Karl Bodmer.
Pettrichs “Indianisches Museum” ist nun zum ersten Mal seit der Übergabe an Papst Pius IX. außerhalb Roms zu sehen. Die Ausstellung präsentiert die dargestellten Persönlichkeiten in ihrem historischen Kontext und würdigt den künstlerischen Wert jedes Werkes – ein Dialog zwischen Kultur- und Kunstgeschichte. Ergänzt wird die Schau durch Zeichnungen, Fotos und Ethnografica sowie ausgewählte Werke der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Die Bildnisse entstanden während der Zeit der “Frontier” – der Ausdehnung der Siedlungsbewegung gen Westen – und der Verträge, in der das ungleiche Kräfteverhältnis zwischen Native Americans und Weißen zunehmend schriftlich fixiert wurde. Die junge amerikanische Nation rang um territoriale Erweiterung und nationale Identität. Die Ureinwohner dagegen kämpften um ihr physisches und kulturelles Überleben. Pettrichs Werk ist ein frühes Beispiel für das wiederkehrende Motiv nordamerikanischer Indianer in “weißer” Kunst und Kultur. Ausgehend von Pettrichs in klassizistischer Tradition stehenden Darstellungen wird die damals entstehende “Indianermalerei” und das Prinzip der “Indianergalerie” thematisiert sowie der politisch-historische Kontext beleuchtet.
Pettrich studierte bei seinem Vater, Franz Pettrich (1770 – 1844), an der Kunstakademie Dresden sowie bei dem berühmten dänischen Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770 – 1844) in Rom. 1835 ging er nach Washington und begann dort, die Vertreter indigener Nationen für sein “Indianisches Museum” zu porträtieren. Die Ausführungen in Gips fertigte er in Rio de Janeiro an, wo er sich seit 1843 aufhielt. 1857 kehrte er nach Europa zurück und schenkte die Werkgruppe dem Vatikan, wo sie sich seitdem befindet.





