Die Entdeckungsgeschichte begann im Herbst 2014, berichtete der Archäologische Dienst des Kantons Bern: Ein Mitarbeiter sorgte für gespanntes Staunen, als er eine Kiste Bronzegegenständen aus dem Thunersee ablieferte. Diese Funde führten zu gezielten Taucheinsätzen im Uferbereich des schönen Alpensees. Sie belegten: Im Bereich der Thuner Bucht gab es einst Seeufersiedlungen.
Bei Taucheinsätzen während einem außergewöhnlich niedrigen Wasserstand im Februar 2016 konnte die Ausdehnung der Fundstellen schließlich auch genau kartiert werden. Zudem wurden Proben von Pfählen für die Datierung und Bohrproben aus dem Seegrund zur Analyse des Schichtaufbaus entnommen. Anhand der Funde lassen sich mindestens zwei Siedlungsphasen belegen, berichtet der Archäologische Dienst. Die Jahrringdatierungen der Baupfähle legen nahe, dass eine ältere Siedlung um 1050 v. Chr., eine jüngere um 950 v. Chr. im damaligen Uferbereich bestanden hat. Es handelte sich somit um Dörfer der späten Bronzezeit.
Ein regionales Zentrum vor 3000 Jahren
Außerdem berichten die Archäologen über weitere Funde etwas abseits des heutigen Ufers. Es handelte sich wohl ebenfalls um die Reste eines Pfahlbau-Dorfes, das einst am Ufer des Thunersees stand. Der Spiegel des Sees schwankte damals beträchtlich, sagen die Archäologen. Reste dieser Siedlung bergen die Fachleute zurzeit in der Grube für einen Neubau in der Stadt Thun.
Im Kanton Bern sind Seeufersiedlungen bisher schon vom Bielersee bekannt. Nun steht fest: Die Pfahlbauer siedelten nicht nur im Mittelland, sondern auch im Berner Oberland. Zuvor waren in diesem Bereich schon Gräber entdeckt worden. Den Archäologen zufolge belegen die neuen Funden nun zusätzlich, dass die Gegend in der Bronzezeit ein regionales Zentrum war, da hier Verkehrswege zu wichtigen Alpenpässen zusammentrafen. Diese wurden damals rege genutzt, wie hochalpine Gletscherfunde vom Schnidejoch (Lenk) und vom Lötschenpass belegen. Sie zeugen von regen Kontakten zwischen Aaretal und dem Wallis vor mehr als 3000 Jahren.
Die Fachleute erhoffen sich nun von der weiteren Untersuchung der Seeufersiedlungen noch mehr Einblicke ins Alltagsleben und in die Kultur der späten Bronzezeit im Alpenland. Im Schloss Thun können Besucher nun bereits ausgewählte Bronzefunde aus dem Thuner Seebecken besichtigen.





