Die Ausstellung zeigt über 180 Arbeiten von rund 90 international renommierten Künstlern und eröffnet dem Betrachter einen neuen und umfassenden Blick auf die Protest- und Oppositionsbewegungen der letzten 60 Jahre. Zugleich zeichnet sie das Spannungsfeld zwischen Utopie, dem Wunsch nach Mitbestimmung und politischer Geschichte nach. Die Künstlerplakate erzählen die Geschichte des Protestes, des Engagements für Freiheit und Menschenrechte, der Forderung nach Gleichheit und Toleranz. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Umbrüche u.a. im Nahen Osten lenkt die Ausstellung darüber hinaus den Blick auf die große und zunehmende Bedeutung populärer Massenmedien für die internationale Verbreitung und Vermittlung zentraler Inhalte und Forderungen der Protestierenden. „Phantasie an die Macht“ – mit diesem Aufruf unterstützte der Künstler Pierre Soulages den Aufstand der Pariser Studenten im Mai 1968. Auf die Nachkriegszeit, in der Picasso mit seinen Friedenstauben dem Kampf für Frieden Nachdruck verlieh, folgte das Aufbegehren der 60er Jahre. Im nächsten Jahrzehnt ging es um die Freiheit von Minderheiten, wenig später wurde die Verschmutzung der Umwelt ein großes Anliegen von Künstlern wie Joseph Beuys. Mitte der 80er Jahre lenkte die Immunschwäche AIDS den Blick auf Diskriminierung und Ausgrenzung von Minderheiten und die Idee der Gleichheit fand neuen Ausdruck vor allem bei amerikanischen Künstlern wie Keith Haring oder Jenny Holzer. Auch die Globalisierung nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 schlug sich in Plakaten von Robert Rauschenberg und anderen nieder. Die Geschichte der internationalen Protestbewegungen, erzählt mit eindringlichen Entwürfen engagierter Künstler, ist zugleich eine Geschichte der Kunst der vergangenen Jahrzehnte.
1949 entwarf Pablo Picasso, Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs, das Plakat für den ersten internationalen Friedenskongress, zu dem europäische Kommunisten einluden. Picasso wählte gemeinsam mit Louis Aragon, dem Vorsitzenden der Partei, das Motiv aus: eine weiße Taube, schlicht auf dem Boden stehend und in schwarzer Tusche lithografiert. Bis dahin war die Taube in der traditionellen Kunst ein Symbol des Heiligen Geistes. Mit einem Ölzweig im Schnabel wurde sie zum Symbol der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen, da sie einst Noah die frohe Botschaft vom Ende der Sintflut überbracht hatte. Nun wurde sie zur „Friedenstaube“ – die weiße Taube, fliegend und ohne weitere Attribute, ist zu einem weltweit verständlichen Symbol geworden.
Seit Picasso nehmen Künstler aus aller Welt vermehrt mit Plakaten am politischen Geschehen ihrer Zeit teil; sie kritisieren, sie prangern an oder sie entwerfen das gute Gegenbild. Nur selten haben sie sich von Machthabern in Dienst nehmen lassen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildeten die ersten Jahre nach der russischen Revolution, als Lenin revolutionären Enthusiasmus verbreitete und Künstler wie Lissitzky und Rodtschenko die Parolen der Revolution propagierten. Seither haben sich die Künstler der Avantgarde von totalitären Regimes ferngehalten. Vielmehr entwarfen sie für die Entrechteten, sie zeichneten gegen Hunger, Krieg und Unter-drückung, für Menschenrechte und Umweltschutz und sahen sich auf der Seite des Volkes und nicht auf der Seite der Machthaber. Als Miró 1937 sein Plakat gegen die spanischen Faschisten in einer Zeitschrift veröffentlichte schrieb er handschriftlich darunter: „In dem aktuellen Kampf sehe ich auf der Seite der Faschisten nur Kräfte der Vergangenheit und auf der anderen Seite das Volk, dessen grenzenlose kreative Ressourcen Spanien einen Aufschwung geben werden, der die Welt erstaunen wird.“





