Der Mechanismus von Antikythera stammt wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, darauf lassen Merkmale der Inschriften und das Alter des Schiffswracks schließen, in dem dieses antike Gerät gefunden wurde. Von dem etwa schuhkartongroßen Instrument ist heute nur noch rund ein Drittel erhalten, in Form einer Handvoll stark verkrusteter größerer Fragmente und rund 70 Kleinteilen. Mittels Röntgenanalysen haben Archäologen in den letzten Jahren rund 30 Zahnräder und zahlreiche Inschriften und Skalen auf und in den Fragmenten sichtbar gemacht.
Dadurch gelang es unter anderem einer Forschergruppe um Michael Wright vom Londoner Wissenschaftsmuseum im Jahr 1989, die Funktionsweise und Anzeigen der Rückseite des Antikythera-Mechanismus zu entschlüsseln. Demnach zeigten die beiden übereinander liegenden Kreisskalen der Rückseite unter anderem Sonnen- und Mondfinsternisse an, dienten als Kalender und gaben auch die vierjährige Zeitspanne zwischen olympischen Spielen wieder. Doch die Vorderseite des Antikythera-Mechanismus gab mehr Rätsel auf. Aus den rekonstruierten Inschriften ging zwar hervor, dass dort die Bewegungen von Mond, Sonne und den fünf in der Antike bekannten Planeten aus geozentrischer Sicht angezeigt wurden. Welche Merkmale der Bahnbewegungen die Planetenanzeige erfasste und wie das Ganze mechanisch umgesetzt wurde, blieb aber unklar.

Von Epizyklen und synodischen Perioden
Denn weil die Griechen von einem geozentrischen Weltbild ausgingen, vollführten die Planeten in ihren Himmelsmodellen keine einfachen Kreisbahnen, sondern zeichneten aus ihrer Sicht Schleifen und Kehrtwenden an den Himmel. Die antiken Astronomen erkannten aber, dass sich diese Zyklen durch die Kombination von zwei Kreisbewegungen – sogenannte Epizyklen – annähernd reproduzieren ließen. Eine kleinere Kreisbahn bewegt sich dabei um einen auf einer größeren Kreisbahn rotierenden Punkt. „Das war eine Erkenntnis von bemerkenswerter Tragweite“, erklärt Tony Freeth vom University College London.
Wie sich diese Erkenntnis im Mechanismus von Antikythera niederschlug und was das für die Mechanik der Frontanzeige bedeutet, haben Freeth und sein Team nun enträtselt. Möglich wurde dies durch Hinweise aus einigen Inschriften im Inneren des Instruments in Kombination mit mathematisch-astronomischen Berechnungen und einer mechanischen Rekonstruktion. Aus einer Inschrift ging hervor, dass die Positionen der Planeten entgegen bisherigen Annahme nicht durch Zeiger, sondern durch Ringe in der Frontplatte des Geräts angezeigt wurden. In einer weiteren Inschrift auf der Innenseite der Frontabdeckung stießen die Forscher auf Planetennamen in Kombination mit Zahlen – beispielsweise für die Venus 442, für Saturn 462. Der Vergleich mit astronomischen Daten ergab, dass diese Zahlen Abschnitte in den synodischen Perioden der Planeten kennzeichnen – die Intervalle, in denen sich bestimmte Positionen oder Begegnungen der Himmelskörper wiederholen.





