Er war die große Hoffnung auf eine echte Liberalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft: Hu Yaobang. Als Genosse der ersten Stunde war er 1980 zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) aufgestiegen, zunächst protegiert von Deng Xiaoping, der grauen Eminenz in Peking. Seine Ernennung bedeutete die radikale Abkehr von der Kulturrevolution – der Massenkampagne der Jahre 1966 bis 1976, die von zahlreichen Willkürakten gegen angebliche Abweichler und vor allem Intellektuelle geprägt gewesen war. Denn Hu Yaobang vertrat von Beginn an eine pragmatisch-liberale Linie und unterhielt gute Kontakte zu den Intellektuellen. Selbst in kontroversen Themen wie der Tibet-Frage wagte er sich weit vor. Er erklärte, es sei falsch, die Tibeter als rückständig zu betrachten, und verordnete der annektierten Provinz eine tiefgreifende Liberalisierung. Sogar über die Rückkehr des exilierten Dalai Lama wurde spekuliert. Dazu traf Hu dessen älteren Bruder Gyalo Thundop.
All das verschaffte ihm Feinde innerhalb der Staatspartei, denn die Vertreter einer harten Linie hatten nach dem Tod Mao Zedongs 1976 zwar ihre Führungsfigur verloren, aber sie waren nicht verschwunden. Im Dezember 1986 schlug ihre große Stunde: In Peking und anderen Städten demonstrierten Studenten für mehr politische Mitsprache. Sie griffen dabei eine alte Initiative von Deng Xiaoping auf, der nach Maos Tod die faktische Kontrolle über die KPCh übernommen hatte. Den von Deng angeregten „Vier Modernisierungen“ – Verteidigung, Industrie, Landwirtschaft sowie Wissenschaft und Technik – sollte aus Sicht der Demonstranten eine fünfte hinzugefügt werden: die Demokratisierung. …
Den vollständigen Artikel finden Sie in DAMALS 06/2014.
Klemens Ludwig





