Für die Bewohner der antiken Stadt war es eine schreckliche Katastrophe, doch für die Archäologie avancierte der verheerende Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 n. Chr. zu einem Glücksfall: Wie in einer Art Zeitkapsel konservierte die Vulkanasche viele Strukturen Pompejis. Große Teile der Stadt wurden bereits freigelegt, doch noch immer schlummern ganze Siedlungsbereiche im Schutt, die nun Stück für Stück von den Experten des Archäologischen Parks Pompeji ausgegraben werden. Zu den Entdeckungen gehören dabei immer wieder Freskos, die einst die Wände in den Häusern oder Läden der Stadt schmückten.
Dekoration eines Hauses mit Anschluss an eine Bäckerei
Das besondere Exemplar, über das die Archäologen nun berichten, wurde bei den aktuellen Ausgrabungen in der Insula 10 in der Regio IX gefunden. Dieses Gebäude war interessanterweise mit einer Bäckerei verbunden, die bereits zwischen 1888 und 1891 teilweise erforscht wurde. Nun befreite das Grabungsteam weitere Teile der Anlage vom Bimsstein und der vulkanischen Ascheschicht. Dabei entdeckten sie auch Skelette von drei Opfern der Katastrophe. Das Fresko kam dann an einer der Wände zum Vorschein, die das Zentrum des Wohnbereichs umgaben – das sogenannte Atrium.
An sich ist der Typ der Darstellung nichts Ungewöhnliches, sagen die Experten. Es handelte sich bei diesen Stillleben-Freskos demnach um Symbole der Gastfreundschaft: Die Abbildungen zeigten Speise-Geschenke, die Besuchern aufgrund einer griechischen Tradition angeboten wurden. Es ist auch bekannt, dass die Menschen in der Antike Fladenbrot aßen. Das neuentdeckte Fresko zeigt nun allerdings eine besonders auffällige Version.
Eine vertraut erscheinende Speise
Auf dem abgebildeten Silbertablett werden viele Betrachter neben dem eleganten Weinbecher, Früchten und einer Blumendekoration spontan eine Pizza identifizieren. Wie die Experten erklären, handelt es sich wohl auch tatsächlich um ein Fladenbrot mit einem dicken Rand, das allerdings offenbar fruchtig belegt ist: Vermutlich handelt es sich um Granatapfel und Dattel. Zudem scheinen Gewürze und vielleicht eine Art Pesto durch gelbe und ockerfarbene Punkte als Teil des Belags des Fladenbrots dargestellt worden zu sein.
Als eine echte Pizza lässt sich das süßlich belegte Fladenbrot demnach nicht bezeichnen, sagen die Archäologen. Denn dafür fehlen vor allem die entscheidenden Zutaten, nämlich Mozzarella und Tomaten. Letztere können definitiv nicht zum Belag gehört haben, denn das Gemüse, das heute die mediterrane Küche so stark prägt, kam erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa. Dennoch könnte es sich bei der dargestellten Speise aber um eine antike Vorgänger-Version des modernen Gerichts handeln, das 2017 sogar als “traditionelle Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers” zum Weltkulturerbe erhoben wurde, heißt es in der Mitteilung des Archäologischen Parks Pompeji.





