Das Maya-Dorf Ceren in El Salvador war wahrscheinlich einst die Heimat von rund 200 Menschen. Sie lebten größtenteils vom Ackerbau und verkauften ihren Waren auf Märkten des nahegelegenen Zapotitan Tals. Doch um das Jahr 660 brach der nur wenige Meter vom Dorf entfernte Vulkan Loma aus. Er begrub das gesamte Dorf und große Teile seiner Umgebung unter einer mehr als fünf Meter dicken Ascheschicht.
Einzigartiger Einblick in Alltagsleben der Maya
Ähnlich wie in Pompeji wirkte die Vulkanasche wie eine Zeitkapsel und schützte die Relikte des Dorfes mehr als 1000 Jahre vor dem Verfall. Archäologen entdeckten bei Ausgrabungen in Ceren unbeschädigte Keramikgefäße, die noch die Fingerabdrücke ihrer Schöpfer trugen, gewebte Decken, mit Bohnen gefüllte Töpfe und die Überreste eines Erntedankfestes. “Der unglaubliche Grad der Erhaltung in Ceren macht dieses Projekt einzigartig”, erklärt John Ellen von der US National Science Foundation. Denn der Ort gibt den ersten klaren Einblick in das Leben und die Tätigkeiten der einfachen Leute im Maya-Reich.
Bisher haben die Archäologen im Maya-Dorf zwölf Gebäude ausgegraben, darunter Wohnquartiere, Lagerhäuser, Küchen, religiöse Bauwerke und sogar eine Gemeinschaftssauna. “Es gibt aber wahrscheinlich noch Dutzende bisher nicht ausgegrabene Gebäude und vielleicht sogar noch eine weitere Siedlung unter der Ascheschicht des Loma-Vulkans”, sagt Grabungsleiter Payson Sheets von der University of Colorado in Boulder. Leichen der einst in Ceren lebenden Maya wurden allerdings bisher nicht gefunden. Forscher vermuten deshalb, dass sich die Bewohner rechtzeitig vor dem großen Ausbruch des Vulkans retten konnten.
Kein Einfluss der Herrschenden erkennbar
An den bisher in Ceren geborgenen Funden lässt sich bereits eine große Besonderheit des Dorfs festmachen, wie die Forscher nun in einer Veröffentlichung berichten: Die Bewohner scheinen ungewöhnlich autonom gelebt zu haben – weitgehend unbeeinflusst von der herrschenden Elite der Maya.
Ungewöhnlich ist dies deswegen, weil das Reich der Maya als klassische “Top-Down”-Gesellschaft gilt: Die Elite traf die meisten politischen und ökonomischen Entscheidungen und schrieb den Bauern und Arbeitern vor, was sie zu tun hatten. Dörfer waren zudem meist zu Tributzahlungen verpflichtet, wie Sheets erklärt. “Doch in Ceren haben wir keinerlei Hinweise auf einen Einfluss der Herrschenden oder eine Kontrolle durch die Eliten gefunden.”
Dorfgemeinschaft verwaltete sich selbst
Die Dorfbewohner konnten offenbar frei über ihre Architektur, die Wahl ihrer Feldfrüchte, ihre religiösen Aktivitäten oder ihre Wirtschaft entscheiden. Stattdessen scheinen sie die Gemeinschaftsaufgaben und Entscheidungen untereinander geregelt und verteilt zu haben. In einem der Gebäude haben die Archäologen eine Art Versammlungsraum mit zwei langen Bänken entdeckt. Hier könnten sich die Dorfältesten getroffen haben, um zu beraten und Entscheidungen zu treffen.





