Polen war nach dem Ersten Weltkrieg ein Vielvölkerstaat. Das hatte Folgen: Ein Drittel seiner Bevölkerung gehörte einer „fremden Nationalität“ an, dazu lebten zwei Millionen Juden im Land. Nationalismus und Antisemitismus prägten das öffentliche Klima. In der Nationalversammlung waren es schließlich die Stimmen der Minderheiten, die den parteilosen Narutowicz mit seiner gemäßigten Agenda in das Amt des Staatspräsidenten wählten. Diffamiert als „Nicht-Pole“ (Narutowiczs Geburtsort gehörte zum russischen Zarenreich), der von „Nicht-Polen“ gewählt wurde, galt er in nationalistischen Kreisen als nicht tragbar. Diese heizten die Stimmung mit einer öffentlichen Hetzkampagne derart auf, dass sie den Attentäter schließlich zum politischen Mord motivierten.





