Das Manifest kam zur rechten Zeit. Es kritisierte die regierende Kommunistische Partei, die, so das Manifest, zwar Reformen eingeleitet habe, in der jedoch inzwischen wieder die konservativen Kräfte die Oberhand gewonnen hätten. Und es ermutigte seine Leser dazu, den ins Stocken geratenen Demokratisierungsprozess voranzutreiben. Und dies gelang: Zeitungen nutzten die erst kurz zuvor gewonnene Pressefreiheit und publizierten unzählige Leserbriefe, deren Verfasser sich für die Fortsetzung der Reformen aussprachen. Im „Rauschzustand der Freiheit“ gründeten sich zahlreiche politische Vereinigungen.
Der „Prager Frühling“ war nun nicht mehr ein Projekt von Intellektuellen, sondern wurde von einer breiten Basis getragen. Für einen kurzen Moment schien es so, als ob individuelle Freiheit und Kommunismus vereinbar wären. Die sowjetisch geführten Armeen des Warschauer Pakts zerschlugen jedoch wenige Wochen später den Traum von einem „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“.





