Die Initiatoren des Projekts wollen durch die Aktion das Bewusstsein dafür schärfen, dass solche Aufnahmen keinesfalls nur angestaubte Erinnerungen, sondern wichtige historische Dokumente sind. Viele dieser Fotos offenbaren wertvolle Einblicke in die damalige Zeit. Manchmal bringen sie sogar gänzlich Neues ans Licht oder beinhalten das letzte, entscheidende Puzzlestück bei der Suche nach der Antwort auf offene historische Fragen.
Oft sind es aber auch die Teilnehmer der Aktion selbst, die Fragen haben und Antworten suchen. Zumeist stammen die Bilder aus der eigenen Familie. Die Besitzer sind also Angehörige von Wehrmachtssoldaten. Nach dem Krieg hieß es in vielen deutschen Familien, dass über das Erlebte nicht gesprochen wird. Heute dagegen möchten viele doch wissen, wo der eigene Vater oder Großvater im Krieg gewesen ist, was er gesehen und erlebt oder was er getan hat. Die Bilder sind stets Zeugen von Einzelschicksalen. Damit gehen die Teilnehmer höchst unterschiedlich um. Manche sind ruhig und aufgeschlossen. Andere wiederum haben Angst davor, mehr über die Vergangenheit ihrer Angehörigen zu erfahren.
Bisher gab es 40 Anfragen für ein Einzelgespräch. Eine der Teilnehmerinnen war Friederike von Bonin (68). Über die Kriegserlebnisse ihres Vaters wusste sie nicht viel, als sie vor zwei Jahren beim Aufräumen auf die Fotosammlung ihres Vaters gestoßen ist. Auch er hat nie vom Krieg erzählt. Jedoch scheint er damals ein passionierter Amateurfotograf gewesen zu sein. Für eines seiner Bilder hat er sogar einen Preis erhalten. Nun hat seine Tochter eine umfangreiche Bildersammlung den Experten des Historischen Museums vorgelegt.
Friederike von Bonin ging sogar noch einen Schritt weiter. Die Fotos ihres Vaters hat sie dem Museum überlassen, damit sie so der Nachwelt erhalten bleiben. Mit dieser Entscheidung steht sie nicht allein da. Immer wieder wird Teilnehmern erst nach den Einzelgesprächen bewusst, welchen Wert ihre Fotos als zeitgeschichtliche Zeugnisse haben, und beschließen, ihre Aufnahmen der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Ein Teil der Schenkung von Bonins wird nun im Historischen Museum ausgestellt. Am letzten Wochenende der Ausstellung, vom 27. bis 29. August, werden sie in einer Finissage zu sehen sein.
Bis dahin bietet das Museum noch drei weitere Termine für Einzelgespräche an: jeweils mittwochs am 21. Juli sowie am 4. und 18. August zwischen 16 und 18 Uhr. Im Anschluss sind die Teilnehmer zu einer Führung durch die Ausstellung eingeladen. Um die Einzelgespräche besser koordinieren zu können, bittet das Museum um eine vorherige Anmeldung. Ansprechpartnerin hierfür ist Susanne Angetter, sie ist erreichbar unter der Telefonnummer 069 / 21 23 51 54.





