Es ist eine der berühmtesten Fundgeschichten aller Zeiten: Vor rund 70 Jahren wurden in elf Felshöhlen nahe des antiken Ortes Qumran am Toten Meer Tonkrüge entdeckt, die Reste von Schriftrollen aus dem antiken Judentum enthielten. Es handelt sich um rund 15.000 Fragmente von etwa 850 Rollen mit kultisch-liturgischen Texten sowie Bibel-Kommentaren. Sie stammen aus einer Zeitspanne von etwa 250 v. Chr. bis 50 n. Chr. Einige der Texte stammen demnach auch aus der spannenden Zeit des frühen Christentums.
Archäologen um Oren Gutfeld von der Hebräischen Universität Jerusalem sind nun im Rahmen von Erkundungen rund um Qumran auf eine weitere Höhle mit antiken Spuren gestoßen: Sie entdeckten dort die Scherben von zahlreichen Tonkrügen, die den Datierungen zufolge aus der gleichen Zeit stammen, wie die Funde aus den anderen Höhlen. Detailuntersuchungen förderten dann Spuren ans Licht, die verdeutlichen, dass auch diese Gefäße einmal Schriftrollen enthalten haben: Die Forscher fanden Reste von Kordeln, welche die Dokumente einst zusammengehalten haben, sowie Stoffreste, die wohl als eine Art Futteral gedient haben. Außerdem entdeckten sie ein Stück unbeschriebenes Pergament.
Hoffnung auf weitere Entdeckungen
Die Forscher sind sich deshalb sicher: Dies ist nun die zwölfte bekannte Schriftrollen-Höhle vom Toten Meer. „Auch wenn letztlich keine Schriftrolle in der Höhle entdeckt wurde, belegen unsere Funde ohne Zweifel, dass diese Höhle einst Schriftrollen enthielt, die dann gestohlen wurden”, betont Gutfeld. Wann die Höhle ihres kostbaren Schatzes beraubt wurde, scheint sich ebenfalls deutlich abzuzeichnen: Die Archäologen fanden Werkzeug aus den 1950er Jahren, das die Raubgräber offenbar bei ihrem Beutezug zurückgelassen haben.
Die Hoffnung der Archäologen ist nun, dass es noch weitere Schriftrollen-Höhlen mit unversehrten Funden geben könnte: „Mit dieser aufregenden Entdeckung kommen wir der Entdeckung neuer Schriftrollen so nahe wie seit 60 Jahren nicht mehr”, sagt Gutfeld. Der Generaldirektor der Israelischen Antikenbehörde, Israel Hasson, sieht dies ähnlich: „Die Entdeckung unterstreicht, dass in der Judäischen Wüste noch viel Arbeit auf uns wartet, die von bedeutenden Funden gekrönt werden könnte.” Ihm zufolge müssen sich die Archäologen dabei allerdings nach wie vor einer Herausforderung stellen: dem Wettrennen mit den Raubgräbern.
Zum Fund der Qumran-Schriftrollen vor 70 Jahren ist in DAMALS 2/2017 ein Artikel erschienen. Das Heft finden Sie hier.





