Es ist eine der berühmtesten Fundgeschichten aller Zeiten: Vor etwa 70 Jahren wurden in Felshöhlen nahe des antiken Ortes Qumran am Toten Meer Tonkrüge entdeckt, die Reste von Schriftrollen aus dem antiken Judentum enthielten. Sie sind mit Texten aus der Bibel und Kommentaren dazu beschriftet und stammen aus einer Zeitspanne von etwa 250 v. Chr. bis 50 n. Chr. Einige der Handschriften sind demnach auch in der Zeit des frühen Christentums entstanden. “Die Entdeckung der 2000 Jahre alten Schriftrollen vom Toten Meer ist eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen, die je gemacht wurden”, sagt Oded Rechavi von der Universität Tel Aviv. “Sie stellen allerdings auch eine enorme Herausforderung dar, denn die meisten wurden nicht intakt gefunden, sondern in Tausende von Fragmenten zerfallen“, sagt der Wissenschaftler.
Was gehört zusammen?
Insgesamt sind nun rund 25.000 solcher Einzelteile bekannt. Nach wie vor arbeiten Experten an der mühsamen Rekonstruktion der Texte, denn in einigen Fällen gibt es nur wenige Hinweise auf die richtige Zuordnung der oft nur daumennagelgroßen Stücke. Neben der Fragmentierung gibt es ein weiteres Problem: Viele der Überreste wurden vor der archäologischen Sicherung aus den Qumran-Höhlen geholt und landeten bei Antiquitätenhändlern, von denen sie später zusammengesammelt werden mussten. Infolgedessen ist nicht klar, woher viele der Fragmente überhaupt stammen, was es umso schwieriger macht, sie zusammenzufügen und in ihren richtigen historischen Kontext zu stellen.
Bisher haben sich Wissenschaftler bei der Puzzlearbeit in erster Linie an sichtbaren Eigenschaften der Fragmente und an textlichen Beziehungen orientiert. Rechavi und seine Kollegen haben nun hingegen das Pergament-Material der Schriftrollen geradezu kriminaltechnischen Analysen unterzogen. Sie haben dazu einigen Fragmenten winzige Materialproben entnommen und ihnen Überreste des Erbguts der Tiere entlockt, die einst die Haut für die Herstellung der Pergamente geliefert haben.

Fossile DNA gibt Hinweise
Die Analysen der gewonnenen DNA zeigten zunächst, dass die Pergamente meist aus Schafshäuten hergestellt wurden, was zuvor nicht klar war. Zudem ist es teilweise auch möglich, einzelne Tiere anhand ihrer genetischen Signatur zu unterscheiden, berichten die Forscher. Sie gehen davon aus, dass Stücke, die aus der Haut desselben Schafes hergestellt wurden, miteinander verbunden sind und dass die Schriftrollen von eng verwandten Schafen eher zusammenpassen als die von genetisch sehr unterschiedlichen Individuen beziehungsweise anderen Tierarten.





