Die antike Stadt Arelate (Arles) in der heutigen Provence war einst ein bedeutendes Handelszentrum der Kelten. Die Römer unter Julius Cäsar machten aus der Siedlung an der Rhône im Jahr 46/45 vor Christus eine römische Kolonie, die einige Jahre später über die Via Aurelia ans Römische Reich angebunden wurde. In den darauffolgenden Jahrhunderten mauserte sich die kleine Provinzstadt erst zu einer Kaiserresidenz und ab 395 nach Christus zur Hauptstadt des römischen Gallien und Hispanien. Diesen Aufstieg verdankte sie auch einem Aquäduktsystem, das Arles ab dem Jahr 3 vor Christus mit Wasser aus Quellen von der Südflanke der Alpilles versorgte. Das erste elf Kilometer lange Aquädukt-Mauerwerk – eine architektonische Meisterleistung aus Leitungen, Brücken und Tunneln – wurde in den folgenden Jahrhunderten schrittweise erweitert.
Unter anderem bauten die Römer wegen des steigenden Wasserbedarfs der Stadt einen weiteren, mit 37 Kilometern noch längeren Aquäduktabschnitt, der Wasser von der Nordseite der Berge in die Stadt leitete. Das Quellwasser floss aus dieser gemauerten Leitung in ein bereits bestehendes Sammelbecken am Stadtrand von Arles, vor einer großen Aquädukt-Arkadenbrücke, wie frühere Studien ergaben. Von dort aus führte eine rund zwölf Kilometer lange Hauptleitung ins Stadtzentrum. Nach der Eröffnung des nördlichen Aquädukts wurde das südliche Aquädukt am Sammelbecken vorbei ins benachbarte Barbegal umgeleitet, um dort eine riesige Mühlenanlage mit 16 Wasserrädern anzutreiben. Diese Römeranlage gilt als erster industrieller Wassermühlenkomplex der Antike.
Neue Details zur Geschichte des Aquädukt-Systems
Diese historischen Entwicklungen haben nun Forschende um Gül Sürmelihindi von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) überprüft, indem sie Archivmaterial zum Wassersystem der Stadt auswerteten und sogenannte Aquäduktkarbonate analysierten – bis zu 20 Zentimeter dicke Kalkablagerungen aus dem darin transportierten Wasser. Dieser durch Wasser geformte Kalk unterscheidet sich chemisch und strukturell von Kalk in Gesteinen und erlaubt Rückschlüsse auf den Lauf des Wassers in den Leitungen. „Im Gegensatz zu früheren Studien, in denen wir uns meist mit einem einzelnen Aquädukt befassten, haben wir hier die komplexe Wasserversorgung des antiken Arles, bestehend aus mehreren Aquädukten, einem Becken und verbundenen Wasserstrukturen in der Stadt, untersucht“, berichtet Co-Autor Cees Passchier von der JGU. „Ohne die Karbonatarchive des Aquädukts wäre es unmöglich, diese Zusammenhänge zu rekonstruieren.“
Die Analysen bestätigten die bereits bekannten Zusammenhänge zwischen den einzelnen Elementen des Wasserversorgungssystems. Die Studie enthüllte aber auch neue Details zur Entwicklung dieses Systems. So diente das Wasserbecken vor der Brücke ursprünglich als Sammelbecken, in dem sich Sand und andere Schwebstoffe absetzen konnten, wie sich an den entsprechend geformten Kalkablagerungen erkennen lässt. Die Leitung des nördlichen Aquädukts mündete zudem an einem ungewöhnlich hohen Punkt in dieses Becken, höher als die Enden des südlichen Aquädukts.






