Ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen an der Universität Tübingen untersucht in Feldstudien, wie die Bewohner Südspaniens in der Kupferzeit (3. Jahrtausend v. Chr.) mit Ressourcen ihres Lebensraums umgingen und welche Auswirkungen dies auf Gesellschaft, Handelsbeziehungen und Migrationsbewegungen in der Region hatte. Die Region um Valencina de la Concepción bei Sevilla ist als bedeutendes kupferzeitliches Siedlungszentrum bereits seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt. 1860 wurde dort mit dem Dolmen de la Pastora, einer langgezogenen Megalith-Grabanlage, bereits ein bedeutender kupferzeitlicher Fund gemacht.
Elefantenstoßzähne als Grabbeigaben
Die nahe gelegene Siedlung von Valencina, mit 400 Hektar Ausdehnung die größte kupferzeitliche Siedlung Spaniens, war günstig für Ackerbau und Viehzucht in der fruchtbaren Küstenebene positioniert. Grabfunde aus früheren Untersuchungen zeigten, dass Handelsbeziehungen auch mit weiter entfernten Kulturen stattfanden: Unter den Grabbeigaben fanden sich exotische Luxusgüter wie Elefantenstoßzähne aus Afrika und Bernsteinperlen aus dem Norden.
Exportschlager der Region waren vermutlich die Kupfererze aus dem Bergland unweit Valencina. Inwieweit die Siedlung mit dem Hinterland interagiert hat und wie genau die Handelsrouten und Migrationswege der damaligen Bewohner ausgesehen haben könnten, ist bisher noch wenig erforscht. Hier soll die Feldforschung des Tübinger Archäologenteams unter Leitung von Professor Martin Bartelheim neue Erkenntnisse bringen.
Den überraschenden Fund machten die Forscher rund 50 Kilometer östlich von Valencina, im Hinterland der Region nahe Carmona. Bei einem im August 2015 durchgeführten Geländesurvey entdeckten sie eine kreisförmige Grabenanlage mit einer Ausdehnung von sechs Hektar. Grabungen bestätigten den initialen Fund: Radiokarbondatierungen und die vergleichende Analyse von Scherbenfunden und Schmuck ergaben ein Alter von rund 4500 Jahren und eine Datierung in die spätkupferzeitliche Glockenbecherkultur (2600-2200 v. Chr.)
Anlage war möglicherweise eine Kultstätte
Weitere Untersuchungen sollen zeigen, wie sich die Stätte in die kupferzeitliche Infrastruktur der Gegend eingefügt hat. Dies geschieht durch Gesteinsanalysen, die die Herkunft von bearbeiteten Steinfunden (Mahlsteine, Beile) bestimmt und so Anhaltspunkte liefert, welche Wege die wertvollen Rohmaterialien für Werkzeuge vom Abbaugebiet bis zu ihrem Bestimmungsort zurückgelegt haben. Die Entnahme von Sedimentproben sowie Isotopenanalysen an Tierknochen und Pollenanalysen, mittels derer die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der frühzeitlichen Bewohner erforscht werden können, sollen weitere Daten über die Nutzung der Stätte liefern.





