Er steht neben einer alten Kirche in der Gemeinde Ödeshög in der schwedischen Provinz Östergötland: Der 3,82 Meter hohe Runenstein von Rök ist der bekannteste aller etwa 2000 schwedischen Runensteine. Datierungen zufolge stammt er aus dem 9. Jahrhundert – aus dem Zeitalter der Wikinger. Auf dem Stein sind rund 750 Runen eingraviert, die Wörter in altnordischer Sprache ergeben. Sie zu lesen ist nicht das Problem – doch was sie aussagen sollten, gilt als rätselhaft. Sie scheinen nur klar zu vermitteln, dass ein Mann namens Varin der Schreiber war. Die anderen Passagen galten als mysteriös.
Man ging allerdings grundlegend davon aus, dass sich der Text auf lang vergessene Heldensagen und Königsnamen bezieht. Eine Stelle soll beispielsweise den Gotenkönig Theoderich den Großen erwähnen, der in der Spätantike über das Weströmische Reich geherrscht hat. Dies führte zu Spekulationen über die Verwandtschaft von Varin zu gotischen Königen. Allerdings wurde bereits schon früher von Experten der Bezug zu Theoderich angezweifelt und auch kritisiert, dass die traditionelle Interpretation der Runenstein-Inschrift von schwedisch-nationalem Wunschdenken geprägt war.
Kein geheimnisvoller Sagentext
Der Sprachwissenschaftler Holmberg kratzt nun ebenfalls an dem spektakulären Image des Runensteins von Rök. Ihm zufolge spricht die Inschrift nur von dem Stein selbst und von der Technologie der Runenschrift: “Die Inschrift auf der Vorderseite des Steins hat mit dem Tageslicht zu tun, das wir benötigen, um die Runen zu lesen, und auf der Rückseite sind Bezüge, die wahrscheinlich mit dem Schnitzen der Runen und dem Runenalphabet zu tun haben”, so Holmberg. Diese Botschaften wären auch durchaus nichts Ungewöhnliches, denn viele Runensteine tragen Inschriften, die sich auf den Stein selbst beziehen.
Letztlich macht Holmberg damit deutlich, dass sich der Runenstein von Rök gar nicht so sehr von anderen aus der Wikinger-Ära unterscheidet, wie immer behauptet wurde. Die neue Interpretation scheint den geheimnisumwoben Stein damit zwar gewissermaßen zu entzaubern, doch auch die neue Deutung offenbart letztlich ebenfalls, dass er einst Wichtiges verkündete: Anstatt von Heldentaten zu berichten, machte er wohl klar, wie die Technologie der Schrift Informationen übermitteln kann.





