Der geplante Bau einer Ortsumgehung stand am Anfang der Fundgeschichte: Bei Ausgrabungen im Vorfeld der Bauarbeiten beim Ort Mönchstockheim im Landkreis Schweinfurt stieß ein Archäologenteam des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BlfD) auf Relikte aus vorgeschichtlicher Zeit: Neben zahlreichen Scherben, Töpferwerkzeugen aus Knochen und einem ungewöhnlichen Tonstempel förderten sie auch eine Tonfigur zutage. Sie ist 19 Zentimeter hoch. Da allerdings die Beine nur noch ansatzweise vorhanden sind, ist davon auszugehen, dass sie im ursprünglichen Zustand wohl etwa zehn Zentimeter länger gewesen ist. Nach der schonenden Reinigung durch die Airbrush-Wasser-Technik im Labor des BLfD wurden schließlich alle Details der Statuette deutlich.
Bisher beispiellos für die Region und Zeit
Auffallend ist das fein modellierte Gesicht: Augenhöhlen, Nase, Lippen und Kinn sind deutlich zu erkennen sowie kleine Löcher an den Seiten des Kopfes. Die Statuette stammt offenbar aus der Hallstattzeit, denn dieser Epoche konnten die Beifunde eindeutig zugeordnet werden. Sie datieren demnach ins 8. bis 6. Jahrhundert vor Christus. Doch die Merkmale der Figur stellen die Experten nun vor Rätsel, denn es existieren bisher keine vergleichbaren Funde aus der Region und der Zeit. „Aus Ton gefertigte Figuren dieser Art sind aus der westlichen Schwarzmeerregion bekannt. Sie datieren allerdings ins 5. Jahrtausend vor Christus. Die weiteren Funde verweisen aber auf eine wesentlich jüngere Datierung der Statuette. All dies gibt viel Raum für Interpretationen“, so Stefanie Berg vom BlfD.
Was die Bedeutung der Figur betrifft, gibt es zumindest ein paar Hinweise: Die Körperform der Statuette gibt zwar eigentlich keinen Aufschluss über das Geschlecht. Doch es gibt einen indirekten Hinweis: Die mit jeweils fünf Löchern durchsetzten Seiten des Kopfs könnten eine mit Metallringen verzierte Haube dargestellt haben. Ein derartiger Kopfschmuck wird Frauen zugeschrieben. Möglicherweise handeltet es sich demnach um eine Darstellung mit weiblichem Charakter.
Eine Opfergabe mit Bezug zu Wasser?
Weitere Hinweise zur Bedeutung gehen aus dem Bezug des Fundortes zu Wasser hervor: Den Archäologen zufolge entdeckten sie die Objekte in einer Senke, die den Siedlern einer nahegelegenen hallstattzeitlichen Siedlung möglicherweise zur Wasserentnahme gedient hat. Dass die Funde nicht durch Wassererosion abgerundet worden waren, spricht dafür, dass sie nicht an ihren Fundplatz geschwemmt wurden, sondern bewusst in den einstigen Graben gelegt worden sind. Darüber hinaus zeugen Kalkausfällungen von einer ehemaligen Quelle in unmittelbarer Nähe, berichtet das BlfD.
So zeichnet sich nun ab: Möglicherweise verehrten Menschen die kleine Statuette vor fast 3000 Jahren als Wassergottheit. „Denkbar ist, dass die Menschen damals diese besondere landschaftliche Lage als heiligen Ort betrachteten und die kleine Statuette ihnen als rituelle Opfergabe diente oder sie ihr gar magische Kräfte zuschrieben“, sagt Mathias Pfeil vom BlfD.





